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Die Hamburger Bühnenmanuskripte von Schillers Drama «Die Jungfrau von Orleans»

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Christine Hellmich

Schiller hatte großes Interesse an der bühnenwirksamen Inszenierung seiner Dramen und vermarktete erfolgreich eigene Bühnenbearbeitungen seiner Stücke. 1801 erwarb die Theaterdirektion des Deutschen Theaters in Hamburg eine autorisierte Abschrift von Schillers Bühnenfassung der «Jungfrau von Orleans». Es ist das einzige Originalbühnenmanuskript des Dramas, das heute noch erhalten ist. Am Hamburger Theater wurde sein Text für die dortige Erstaufführung nochmals bearbeitet und eine Abschrift von dem definitiven Spieltext angefertigt. Beide Manuskripte weisen vielfältige Bearbeitungs- und Benutzungsspuren auf. Die vorliegende Studie beinhaltet die Erfassung und Analyse der verschiedenen Texteingriffe, stellt die wichtigsten inhärenten Textfassungen vor und erläutert deren rezeptionsgeschichtlichen Kontext. Behandelt werden Schillers Bühnenfassung, die Hamburger Bearbeitung für die Erstaufführung 1801 und die napoleonische Zensurfassung von 1812. Durch die Erschließung neuer Autorvarianten wird Schillers Arbeit am Bühnentext konkretisiert. Die Darstellung wird ergänzt durch die synoptische Edition von Schillers Druck und Bühnenfassung neben der Fassung der Hamburger Erstaufführung.
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1. Beschreibung der Handschriften und wichtiger Überlieferungsträger

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1.Beschreibung der Handschriften und wichtiger Überlieferungsträger

1.1h1: Das erste Hamburger Bühnenmanuskript

h1, das erste Hamburger Bühnenmanuskript, ist eine autorisierte Abschrift von Schillers Bühnenfassung der „Jungfrau von Orleans“. Sie wurde 1801 in Weimar von Friedrich Wilhelm Schumann (1765–1850) angefertigt und enthält verschiedene nachträgliche Änderungen von Schillers eigener Hand. Der Text der Bühnenfassung ist in Hamburg vor der Erstinszenierung noch von mindestens einer unbekannten Hand bearbeitet worden. In bearbeiteter Form diente h1 dann als Vorlage für die Anfertigung des zweiten Hamburger Bühnenmanuskripts, h2 (s. Kap. I, 1.3). h1 wurde an der Hamburger Bühne als Inspektionsbuch verwendet, d. h. das Bühnenmanuskript stand dem Theaterinspizienten zur Verfügung, der dafür zuständig war, die Proben und Vorstellungen des Stücks im Sinne von Theaterdirektion und Regie planmäßig durchzuführen. Mittels Datierung verschiedener fremdhändiger Eintragungen in h1 lässt sich für das erste Hamburger Bühnenmanuskript ein Nutzungszeitraum von 1801 bis 1846 belegen. 2008 ist die Handschrift restauriert worden, nachdem sie sich in einem sehr schlechten Zustand befunden hatte.

1.1.1Titel, Aufbewahrungsort und Signatur

Das Bühnenmanuskript ist auf dem vorderen Buchdeckel „Die Jungfrau v‹on›. Orlean‹s›“ betitelt und mit dem Zusatz „Inspections‹buch›“ versehen. Das Titelblatt fehlt (s. Kap. I, 1.1.2). h1 wird in der SUB Hamburg unter der Signatur „Theater-Bibliothek 2023“ aufbewahrt. Der Handschrift liegt ein nicht adressiertes Billet (13,3 cm × 20,9 cm) von unbekannter Hand bei,...

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