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Jedwabne und die Folgen

Eine semantische Analyse der Debatte über Juden in der polnischen Presse 2001-2008

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Stefan Gehrke

In diesem Buch steht die semantische Analyse der Argumentationsstrategien und sprachlichen Mittel im Vordergrund, die polnische Zeitschriften von 2001-2008 zur Konstruktion und Dekonstruktion stereotyper Aussagen über Juden angewendet haben. Mit linguistischen Mitteln wird untersucht, was die Gründe für Entstehung, Tradierung und Persistenz dieser Phänomene sind. Welche Bilder und Stereotypen von Juden tauchen auf, wie verhalten sich die aktuellen Aussagen zu älteren Redeweisen über Juden in der nationalen und religiösen Tradition Polens und welche Funktion spielt das Wort «Żyd» in der Debatte über Schuld und Unschuld der Polen bzw. Juden?

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1.4 Untersuchungsmaterial

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1.4      Untersuchungsmaterial

1.4.1     Zum Korpusbegriff

Zunächst muss sich der Leser ebenso wie der Forscher darüber im Klaren sein, dass das von ihm untersuchte Korpus nur einen kleinen Teil der zu einem Diskurs gehörenden Textverbünde darstellt. Busse und Teubert (1994) unterscheiden daher zwischen „imaginärem, virtuellem und konkretem Korpus“.146 Zu ersterem gehören alle prinzipiell möglichen Texte und darin enthaltenen Aussagen, das zweite umfasst die tatsächlich existierenden Texte, während nur das dritte als Ausschnitt aus dem Gefüge aller tatsächlich existierenden Texte für den Forscher fassbar und der Untersuchung zugänglich ist. Daraus folgt, dass der Forscher das Korpus nach bestimmten Regeln auswählt und somit im eigentlichen Sinne als Bezugsgröße erst konstituiert und sich somit zwangsläufig gegen andere Möglichkeiten der Korpuszusammenstellung, die sich aus anderen Interpretationsrahmen ergeben würden, entscheidet.

        [Die Korpusbildung] erfolgt ja auf der Grundlage vorab bestimmter Kriterien, mit denen der Analytiker festlegt, wie der zu untersuchende Diskurs (bspw. thematisch und/oder zeitlich) einzugrenzen sei. „Die Konstitution des Diskurses, der das Forschungsobjekt bilden soll“, schließen Busse und Teubert, „setzt daher stets schon Interpretationshandlungen der Forscher voraus“ (Busse/ Teubert 1994: 16); der Diskurs werde also dadurch, dass er zum Untersuchungsobjekt eingegrenzt werde, in Teilen erst als Entität konstituiert. Ob die Eingrenzung eines spezifischen konkreten Korpus sinnvoll sei, lasse sich daher letztlich auch immer erst ex post beantworten.147

In der vorliegenden Arbeit habe ich mich der Untersuchung von...

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