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Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

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Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

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1.0 Rahmung des Forschungsfeldes: Altenpflege und Homosexualitäten

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1.0 Rahmung des Forschungsfeldes: Altenpflege und Homosexualitäten

In diesem Kapitel soll der Rahmen beschrieben werden, in dem sich die vorliegende Forschungsarbeit bewegt. Zunächst geht es um grundlegende Begrifflichkeiten der „Homosexualitäten“, des „Alter(n)s“ und der „Pflegebedürftigkeit“ und deren Einordnung in den Kontext dieser Forschungsarbeit. Im Anschluss wird das „Pflegerische Handeln“ als professionelles Berufshandeln beschrieben.2 Zur theoretischen Rahmung wird folgend auf die derzeit marginale Thematisierung der „Homosexualitäten in der (Alten-)Pflegeliteratur und -ausbildung“ eingegangen. Das Kapitel schließt mir der Erläuterung und Diskussion der Konzepte der „geschlechtersensiblen Pflege“, der „Kultursensiblen Pflege“ und Ansätze der „Diversity“ in der Pflege ab. Hierbei wird die Frage aufgeworfen, ob und welche Konzepte nötig wären, um die Altenpflege neben den Aspekten des Geschlechts, der nationalen Herkunft und deren kulturellen Andersartigkeit auch an den Lebenswelten von homosexuellen Menschen auszurichten.

1.1 Begriffe der Homosexualitäten

Gleichgeschlechtliches Begehren ist im historischen Verlauf mit verschiedenen Begriffen belegt worden. Dabei bezieht es teilweise gleichgeschlechtlich sexuelle Handlungen mit ein. Diesen Handlungen kommen diverse Sinn- und Bedeutungszuschreibungen der Praktizierenden für sich selbst als auch für die Gesellschaft zu, wodurch gleichsam sozial-kulturelle Hierarchisierungen und Kategorisierungen stattfinden. Die verschiedenen Begrifflichkeiten sind im Zeitenverlauf der westlichen Länder, hier insbesondere Deutschland, wiederum mit verschiedenen theoretischen Konstrukten verbunden (Weiß 2001, S. 22–23).

1868 wurde der Begriff „Homosexualität“ von Karl Maria Kertbeny (Schriftsteller, Pseudonym K. M. Benkert) erstmals verwendet (Eder 2014, S. 18; Herzer 1992, S...

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