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Gottfrieds ‹Tristan› lesen: Prolog, Haupttext, Wortpaare

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Magdalena Terhorst

Der Band möchte nachweisen, dass es einen inhaltlichen Zusammenhang von Prolog und Haupttext in Gottfrieds ‹Tristan› gibt. Die Autorin macht dies insbesondere an Wortpaaren des Prologs fest, die im Haupttext wiederkehren. Mit Hilfe der Ergebnisse der Wortuntersuchungen gelingt es, den Prolog auf eine neue Art zu lesen – nämlich mit den Wortbedeutungen, die der Haupttext des mittelalterlichen Romans intendiert. Diese Lektüre geht weit über die bisher im Zentrum stehende rhetorische Bedeutung des Textstücks hinaus. Ein Ausblick auf Gottfrieds Fortsetzer, Hartmanns von Aue ‹Gregorius› und ‹Iwein› sowie Wolframs von Eschenbach ‹Parzival› belegt, dass es sich bei diesen Beobachtungen in Gottfrieds Text um ein bewusst gestaltetes Konzept handeln muss, das sich nur auf wenige Vorbilder stützen kann.

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1 Ausgangspunkte und Grundlagen

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Vor dem eigentlichen Analyseteil möchte ich mit einer Einführung beginnen, in der ich zunächst die bisherigen Ergebnisse der Erfoschung des ‘Tristan’-Prologs vorstelle und im Anschluss daran allgemeine die Funktion mittelalterlicher Prologe darlege. Dem folgen ein Forschungsüberblick zu zweigliedrigen Ausdrücken sowie eine Beschreibung der weiteren Vorgehensweise meiner Arbeit.

1.1 Forschungsüberblick zu Gottfrieds ‘Tristan’-Prolog

Der nachfolgende Forschungsüberblick ist in zwei Teile gegliedert: Er konzentriert sich zunächst auf den formalen Aufbau der Textpassage, ehe er sich ihrer inhaltlichen Interpretation zuwendet. Auch wenn sich Überschneidungen in einzelnen Fällen nicht vermeiden lassen, erscheint es mir doch richtig, zunächst die grundsätzlichen Probleme bei der formalen Prologgliederung darzulegen und erst dann die teilweise daraus abgeleiteten inhaltlichen Deutungen vorzustellen.

1.1.1 Formaler Aufbau des Prologs

Über den formalen Aufbau des Prologs von Gottfrieds von Straßburg ‘Tristan’ herrscht in der Forschung keine Einigkeit. Nach Ansicht von KROHN gliedert er sich aufgrund seiner metrischen Form in zwei Teile: den sogenannten strophischen Prolog (V. 1–44), der aus fünf kreuzgereimten, fünf umarmend gereimten und einer erneut kreuzgereimten Strophe bestehe,11 wobei, wie HUBER ergänzt, alle Strophen stets identisch gereimt seien und damit nur über je zwei Reimwörter verfügten,12 sowie den sogenannten stichischen Prolog (V. 45–244), der überwiegend im höfischen Reimpaarvers abgefasst sei.13 Dieses Schema werde jedoch, so KROHN weiter, „durch eine Kreuzreim-Strophe“14 (V. 131–134) und ← 19 | 20 → eine umarmend gereimte...

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