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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

Die kritische Rekonstruktion der anti-porn-Debatte im Horizont einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

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Anne Weber

Wie gefährdet demokratische Prozesse sind, wurde im Blick auf die soziopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre deutlich. Die Autorin nimmt diese Diagnose ernst und erinnert im Horizont Kritischer Theorie an die Ermöglichungsbedingungen egalitärer Vergesellschaftung. Die problemsensible Rekonstruktion dieser Bedingungen verbindet sich dabei mit der Analyse quantitativ und qualitativ auffälliger Phänomene in der Lebenswelt. Unter feministischen Vorzeichen legt die Autorin den Fokus auf Präsenz und Konsum von Mainstream-Pornographie und die Frage nach der Realität von Geschlechteregalität. In diesem Zusammenhang untersucht sie die potentielle Interdependenz von pornographischen Narrativen, der Habitualisierung anerkennungsvergessener Einstellungen und der Verödung kommunikativer Praxis.

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0.0 Einleitung – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

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„Wenn man die Diskrepanz zwischen der Selbstverständlichkeit der Gleichberechtigung als Grundsatz und den realen Verhältnissen zur Kenntnis nimmt, so wird klar, dass Gleichberechtigung beileibe noch nicht erreicht ist und der Gleichberechtigungsartikel des Grundgesetzes kein Selbstläufer ist. Die tatsächliche Durchsetzung gerechter oder gerechterer Geschlechterverhältnisse muss nicht nur staatlich, sondern auch gesellschaftlich aktiv gefördert werden.“1

Erwähnt man, dass die eigene Promotion sich mit der Fragestellung befasst, inwieweit die Produktion und der Konsum pornographischer Inhalte in einen Zusammenhang mit den gegenwärtigen Entwicklungen spätmoderner Industrienationen gestellt werden kann und, wie sich ein solcher Zusammenhang unter den Vorzeichen philosophischer Analyse auswerten lässt, dann wird man entweder mit einem verständnislosen Lächeln bedacht, oder aber erntet rigorose Kritik. Denn – so einer der Hauptvorwürfe – hätten doch ‚Alt-Feministinnen‘ sich mit solcherlei Annahmen bereits in den Siebzigerjahren ausreichend blamiert und, wenn man ehrlich sei, könne ein solches Thema darüber hinaus sicherlich nichts für die Philosophie austragen. Überhaupt sei doch offensichtlich, dass jede kritische Auseinandersetzung mit Pornographie, ihrem Konsum, ihrer Verbreitung und ihren möglichen Auswirkungen schnell moralinsauer zu werden drohe und auf die ein oder andere Weise die sexuelle Selbstbestimmung kompromittiere.

Solche Reaktionen speisen sich häufig aus der Annahme, es gehe mir mit der Arbeit notwendig darum, den Pornographie-Konsum bzw. alle damit verbundenen (sexuellen) Verhaltensweisen als grundsätzlich negativ, gefährlich oder schädlich zu stigmatisieren. Sie verarbeiten unterschwellig eine Form feministischer Generalisierung, wie sie...

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