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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

Die kritische Rekonstruktion der anti-porn-Debatte im Horizont einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

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Anne Weber

Wie gefährdet demokratische Prozesse sind, wurde im Blick auf die soziopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre deutlich. Die Autorin nimmt diese Diagnose ernst und erinnert im Horizont Kritischer Theorie an die Ermöglichungsbedingungen egalitärer Vergesellschaftung. Die problemsensible Rekonstruktion dieser Bedingungen verbindet sich dabei mit der Analyse quantitativ und qualitativ auffälliger Phänomene in der Lebenswelt. Unter feministischen Vorzeichen legt die Autorin den Fokus auf Präsenz und Konsum von Mainstream-Pornographie und die Frage nach der Realität von Geschlechteregalität. In diesem Zusammenhang untersucht sie die potentielle Interdependenz von pornographischen Narrativen, der Habitualisierung anerkennungsvergessener Einstellungen und der Verödung kommunikativer Praxis.

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1.0 Sexuelle Nahbeziehungen und Gewalt – Profil und Themen der Neuen Frauenbewegung und der Kontext des Anti-Porn-Feminism

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„Ich möchte (…) zu bedenken geben, dass gerade im Eifer des Änderungswillen allzu leicht verdrängt wird, dass Versuche, in irgendeinem partikularen Bereich unsere Welt wirklich eingreifend zu ändern, sofort der überwältigenden Kraft des Bestehenden ausgesetzt sind und zur Ohnmacht verurteilt erscheinen. Wer ändern will, kann es wahrscheinlich überhaupt nur, indem er diese Ohnmacht selber und seine eigene Ohnmacht zu einem Moment dessen macht, was er denkt und vielleicht tut.“58

Die vorsichtigen Errungenschaften der frühen Frauenbewegung,59 die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den westlichen Gesellschaften die Gleichstellung der Frau im Zivilrecht sowie das Frauenstimmrecht (erfolgreich) eingefordert und in diesem Zusammenhang die Chancengleichheit in Bildung und Politik zu einem öffentlichen Topos gemacht hat, sind durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges wieder zerschlagen worden.60 ← 35 | 36 →

So war in Deutschland im Rahmen der neuen Verfassung nach amerikanischem Vorbild von der Regierung 1957 zwar das Gleichberechtigungsgesetzt im Grundgesetzt verankert worden.61 Solange jedoch „die Wiederherstellung traditioneller Geschlechterrollen“62 als „Nachweis für die Normalisierung der Lebensverhältnisse“ nach dem Ausnahmezustand des Krieges betrachtet wurde, schienen die Fragen zur Gleichberechtigung in Familie und Sittlichkeit letztlich unbeantwortet. Vor diesem Hintergrund, d.h. in der konkreten Erfahrung bleibender sozialer Ungleichheit haben die feministischen Analysen nach und nach begonnen sich von der strukturellen und politischen Makroebene hin zu einer Suche nach Symptomen und Ursachen männlicher Herrschaft auch auf der sozialpsychologischen Mikroebene auszuweiten. Auch die unmittelbaren Konsequenzen der vermeintlichen, sexuellen Befreiung haben dazu beigetragen, dass im Zuge einer...

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