%0 Journal Article %A Xiaoyan Li %A Nana Pang %D 2025 %C Berlin, Germany %I Peter Lang Verlag %J Jahrbuch für Internationale Germanistik %@ 2235-1280 %N 3 %V 56 %T „Vater der deutschen Literatur“ – Die Rezeption Shakespeares in Deutschland im 18. Jahrhundert %R 10.3726/JIG563_7 %U https://www.peterlang.com/document/1609440 %X Vor dem 18. Jahrhundert war Shakespeare in Deutschland kaum bekannt. Erst 1682 wurde sein Name erstmals von dem deutschen Gelehrten Daniel Georg Morhof (1639–1691) erwähnt. Der Literaturhistoriker und Universalgelehrte schrieb in seinem Werk Unterricht von der Teutschen Sprache und Poesie: „John Dryden hat gar wohl gelehrt von der Dramaticâ Poesie geschrieben. Die Engelländer/die er hierinnen anführt/sind Shakespeare, Fletcher, Beaumont, von welchen ich nichts gesehen habe.“1 Dies verdeutlicht, dass Deutschland zu dieser Zeit kaum Kenntnis von Shakespeare hatte. Seine Werke wurden nicht gelesen, und auf den Bühnen fanden keine Aufführungen seiner Stücke statt. Nur wenige Jahrzehnte später, 1759, erklärte Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), dass die Merkmale des englischen Dramas, wie es Shakespeare repräsentiert – „das Große, das Schreckliche, das Melancholische“2 – den Deutschen eher entsprächen. Im Jahr 1773 pries Johann Gottfried von Herder (1744–1803) Shakespeare überschwänglich als „hoch auf einem Felsengipfel sitzend“3. Goethe erinnert sich in seiner Autobiografie Dichtung und Wahrheit an den allgemeinen Enthusiasmus für Shakespeare: „Die Hauptstellen wußte ein jeder auswendig und rezitierte sie gern, und jedermann glaubte, er dürfe ebenso melancholisch sein als der Prinz von Dänemark, ob er gleich keinen Geist gesehn und keinen königlichen Vater zu rächen hatte.“4 Angesichts der sprachlichen Unterschiede zwischen Englisch und Deutsch sowie der zeitlich und kulturell bedingten Differenzen in poetischen Traditionen, ästhetischen Vorlieben und Lesegewohnheiten stellt sich die Frage: Wie konnte Shakespeare, ein 1564 geborener englischer Dichter und Dramatiker, in so kurzer Zeit zum Vorbild der deutschen Nationalliteratur aufsteigen? %K vater, literatur, rezeption, shakespeares, deutschland, jahrhundert