%0 Journal Article %A Irina Saladin %D 2026 %C Berlin, Germany %I Peter Lang Verlag %J Zeitschrift für Weltgeschichte %@ 2199-8086 %N 1 %V 25 %T Karten als politisches Argument. Jesuitische Missionare in kolonialen Grenzkonflikten Südamerikas %R 10.3726/ZWG0120265 %U https://www.peterlang.com/document/1754779 %X Das Außenministerium Ecuadors gab im Jahr 1942 einen historisch-geographischen Atlas mit Kartenmaterial zur königlichen Audienz von Quito heraus. Das Territorium der Audienz, das sich in der Kolonialzeit vielfach wandelte, gilt bis heute als Vorgänger des unabhängigen Staates Ecuador, der sich im 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Der Atlas erschien auf dem Höhepunkt eines erbitterten Konflikts mit dem Nachbarn Peru um die Grenzziehung am Amazonas, der erst Ende des 20. Jahrhunderts beigelegt werden konnte. Dieser Konflikt führte zu einer enormen Aufwertung des im kollektiven Gedächtnis Ecuadors lange Zeit marginalisierten Amazonas. Als Teil einer vom Staat geförderten nationalen Identitätsbildung sollte der historisch-geographische Atlas das Narrativ von Ecuador als país amazónico aufgreifen, indem er die Geschichte des Amazonasraums kartographisch visualisierte. Einen zentralen Gegenstand dieser Geschichte bildeten die missionarischen Aktivitäten der Gesellschaft Jesu im 17. und 18. Jahrhundert. Ihnen widmete sich im Besonderen eine Karte zur „Presidencia de Quito en 1689“. Ausführliche Erläuterungen und Auszüge historischer Quellen an den Rändern der Karte sollten die Relevanz der frühneuzeitlichen Mission im Hinblick auf den Grenzkonflikt verdeutlichen. Territoriale Ansprüche im 20. Jahrhundert wurden also auf die historische Ausdehnung der von Quito aus organisierten jesuitischen Mission zurückgeführt. Neben zahlreichen Missionsdörfern waren auch die Orte, an denen Missionare das Martyrium erlitten, sowie die Routen einiger Jesuitenpatres markiert, die in besonderer Weise als „Pioniere“ und „Entdecker“ hervortraten. Damit griff die Karte verschiedene, bereits im 17. Jahrhundert verbreitete Topoi auf, die die Jesuiten in ihren missionspropagandistischen Schriften und Karten verarbeiteten und stellte diese in einen Zusammenhang mit den politischen Konflikten der 1940er Jahre. %K karten, argument, jesuitische, missionare, grenzkonflikten, südamerikas