%0 Journal Article %A Johannes Reutzel %D 2026 %C Berlin, Germany %I Peter Lang Verlag %J Zeitschrift für Weltgeschichte %@ 2199-8086 %N 1 %V 25 %T Kolonialer Diskurs im Vormärz. Kolonien und Kolonialvölker in deutschsprachigen Konversationslexika, ca. 1800–1850 %R 10.3726/ZWG0120268 %U https://www.peterlang.com/document/1754782 %X Die deutsche Kolonialgeschichte ist lang. Seit dem 16. Jahrhundert waren deutsche Akteur*innen in koloniale Unternehmungen verwickelt, reisten als Forschende, Soldaten oder Händler über die Weltmeere auf den Handelsrouten der großen Kolonialmächte. Dabei nahmen sie Teil an der Erschließung und Ausbeutung der kolonisierten Länder. Eigene Kolonisationspläne in „Hanauisch-Guinea“ oder an der Küste Westafrikas währten allerdings nicht lange oder schlugen gänzlich fehl. Kolonisation fand daher bis auf diese kurzzeitigen Einzelfälle nicht planmäßig statt, was für gewöhnlich die Emergenz eines „deutschen Kolonialismus“ erst in die Zeit nach 1880 verlegt. Dies bedeutete jedoch keineswegs ein „koloniales Vakuum“ in den deutschen Gesellschaften. Kolonien hatten im deutschsprachigen Raum vielmehr seit etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts Hochkonjunktur. In Reiseberichten, dem Theater und Zeitungen schufen bürgerliche Autor*innen koloniale Fantasiewelten in weit entfernten Ländern, in denen Deutsche gerecht, gütig und arbeitsam in patriarchalen Familienbänden lebten. Nationale Fantasien paarten sich hier mit kolonialen. Betont wurde dabei meist das enge Zusammenleben mit der indigenen Bevölkerung, die nicht auf Ausbeutung, sondern nachbarschaftliche Zusammenarbeit basiere – eine klare Abgrenzung von denjenigen Kolonialmächten, die ihre Reiche mit dem Blut hunderttausender Sklav*innen auf die Landkarten gezeichnet hatten. %K kolonialer, diskurs, vormärz, kolonien, kolonialvölker, konversationslexika