%0 Journal Article %A Birgit Althans %D 2026 %C Berlin, Germany %I Peter Lang Verlag %J Pädagogische Rundschau %@ 2365-8142 %N 5 %V 80 %T Kulturelle Bildung im Anthropozän – Interdisziplinäre Zugriffe auf ein Feld im Wandel %R 10.3726/PR052026.0052 %U https://www.peterlang.com/document/1765673 %X Ich schreibe diesen Text aus der Perspektive mehrerer Jahre Forschungs- und Kooperationserfahrung mit Projekten kultureller Bildung, insbesondere auf der Basis von vier Jahren im Projekt „Wasteland? Ländlicher Raum als Affektraum und kulturelle Bildung als Pädagogik der Verortung“ heraus, das vom BMBF gefördert, an der Kunstakademie Düsseldorf von 2020–2023 durchgeführt wurde. Wenn Christoph Wulf aus UNESCO- und erziehungswissenschaftlicher Perspektive den Begriff des Anthropozän als „verändertes Verhältnis des Menschen zur Welt, zu anderen Menschen und zu sich selbst“ fasst, das so grundsätzlich sei, dass es alle Lebensbereiche durchdringe und zu „umfassenden Umstrukturierungen“ führe, haben wir das Anthropozän ortsbezogen, insbesondere als Transformation und Umstrukturierungen von Orten, Regionen, ländlichen Räumen und Landschaften erlebt. Das Projekt untersuchte Landschaften des ländlichen Raums ethnographisch, mit einer Kombination aus Methoden der „Sensory Ethnography“ und künstlerischer Forschung sowie einer theoretischen Rahmung von New Materialism und Affekttheorien. In den Blick genommen wurden drei unterschiedliche Kulturinstitutionen (Theater, Museum für internationale zeitgenössische Kunst, Werkstatt für ländliche Kultur), in drei verschiedenen ländlichen Regionen (Wilhelmshaven, Friesland und Wangerland) in Niedersachsen; dem Oderbruch in Brandenburg und in Hohenlockstedt in Schleswig-Holstein. Das Forschungsteam bestand aus einer Kunstwissenschaftlerin, einer Kulturanthropologin, einer Kultur- und Medienwissenschaftlerin und einer Erziehungswissenschaftlerin, forschte somit interdisziplinär zusammengesetzt und transdisziplinär. Uns interessierte insbesondere, ob – und wenn ja, wie – Kulturinstitutionen auf ihre konkrete Umgebung im ländlichen Raum reagieren und inwieweit sie dabei ausstrahlen. Wir haben deshalb, nach einer ersten Feldforschungsphase in den Kultur-Institutionen auch Menschen und Initiativen in den umliegenden Dörfern befragt und wenn möglich begleitet. Zusätzlich gab es drei künstlerische Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen, mit denen das Projekt wiederum selbst versuchte, auf die untersuchte Umgebung und die dabei aufgeworfenen Fragen, Antworten zu initiieren. Bei de Gruyter erschien dazu der Band „Wastelands? Kultur und Affekträume auf dem Land/Tracing cultural and affective places in rural areas“. Im vorliegenden Text werde ich u.a. über das Projekt, die eingesetzten Methoden, sowie unsere Erfahrungen damit berichten, wie wir im ländlichen Raum als zunächst fremd (und urban) wahrgenommene Forscherinnen versuchten, dessen Affekträume im Kontext von Anthropozän und Klimafolgenkrise weniger „pädagogisch und aufklärend“ kennenzulernen und damit experimentierten, ihnen kreativ, künstlerisch-partizipativ zu begegnen. Beginnen möchte ich jedoch mit einigen aktuell kulturell-politisch gerahmten pädagogischen Fragestellungen, die sich gegenwärtig besonders dringlich stellen. %K kulturelle, bildung, anthropozän, interdisziplinäre, zugriffe, feld, wandel