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Günter Grass

Ästhetik des Engagements

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Edited By Hans Adler and Jost Hermand

Günter Grass ist einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, denen es gelungen ist, Politik und Literatur in ein ästhetisch produktives Verhältnis zu setzen. Immer, wenn er es für nötig hielt, Stellung für Unterdrückte und Marginalisierte zu beziehen, tat er es ohne jeden falschen Respekt vor den herrschenden ökonomischen und politischen Kräften. Deshalb hat sein Werk eine so außerordentliche Spannweite, sowohl thematisch als auch hinsichtlich der Gattungen - Romane, Theaterstücke, Gedichte, Reden und politische Stellungnahmen. Günter Grass stellt sich historischen, politischen, sozialen, ökologischen und ethischen Fragen. Er ist die bedeutendste Stimme unter den zeitgenössischen deutschen Autoren.

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JOST HERMAND: Das Unpositive der kleinen Leute. Zum angeblich skandalösen 'Animalismus' in Grassens Die Blechtrommel 1

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Jost Hennand Das Unpositive der kleinen Leute. Zum angeblich skandalosen 'Animalismus' in Grassens Die Blechtrommel Die Skandale, die Gunter Grass 1959 mit seiner Blechtrommel erregte, sind inzwischen fast zur Legende geworden. So viel Aufmerksamkeit wiirde heute - im Zeitalter der postmodernen Beliebigkeit - einer literarischen Neuerscheinung wohl kaum noch entgegengebracht werden. Schliefilich gehort zu einem Skandal von solchen AusmaBen ein breites, hochliterarisch interessiertes Publikum mit relativ festen asthetischen und ideologischen Normen, das auf jeden VerstoB gegen die allgemein anerkannten Gepflogenheiten mit emporter Abwehrgeste reagiert. Und ein solches Publikum gab es in der Anfangsphase der ehemaligen Bundesrepublik tatsachlich noch. Es setzte sich weitgehend aus friiheren Nationalsozialisten sowie Vertreternjener sogenannten Inneren Emigra- tion zusammen, die einen deutlichen Affekt gegen alles Realistische, Niedere, Tabubrechende hatten und sich hierbei entweder auf die Werte des groBen nationalen Literaturerbes oder die Werte des Christlich- Religiosen, Humanistisch-Abendlandischen oder auch Asthetisch-Elitaren beriefen. 1 Mochten diese Schichten auch politisch noch so verschieden- artig sein, in ihrem Festhalten an hochliterarischen Konzepten waren sie sich weitgehend einig. Sie vergaben daher die bekannteren Literaturpreise durchweg an die Bewahrer solcher Werte und strichen auch in der Literaturkritik der grofien Zeitungen und Zeitschriften fast ausschliefilich solche Dichter heraus. 2 Wer gegen solche Werte opponierte, hatte daher bis zur Mitte der funfziger Jahre kaum eine Chance, an eine breitere Offentlichkeit zu dringen, was vor allem die alten Linken, aber auch einige Autoren und Autorinnen der Gruppe 47 zu spiiren bekamen, die sich nicht dem allgemeinen Trend ins Humanistisch-AbendHindische oder Exquisit-Asthetisierende anpaBten, sondern dem 1949 gegriindeten...

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