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Günter Grass

Ästhetik des Engagements

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Edited By Hans Adler and Jost Hermand

Günter Grass ist einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, denen es gelungen ist, Politik und Literatur in ein ästhetisch produktives Verhältnis zu setzen. Immer, wenn er es für nötig hielt, Stellung für Unterdrückte und Marginalisierte zu beziehen, tat er es ohne jeden falschen Respekt vor den herrschenden ökonomischen und politischen Kräften. Deshalb hat sein Werk eine so außerordentliche Spannweite, sowohl thematisch als auch hinsichtlich der Gattungen - Romane, Theaterstücke, Gedichte, Reden und politische Stellungnahmen. Günter Grass stellt sich historischen, politischen, sozialen, ökologischen und ethischen Fragen. Er ist die bedeutendste Stimme unter den zeitgenössischen deutschen Autoren.

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INGEBORG HOESTEREY: Das Literarische und das Filmische. Zur dialogischen Medialität der Blechtrommel 23

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lngeborg Hoesterey Das Literarische und das Filmische. Zur dialogischen Medialitat der Blechtrommel Obwohl die Literaturverfilmung seit langem als quasi eigenstiindiges Genre des kinematographischen Systems gilt, haftet ihr weiterhin der Hautgout des Unauthentischen an. Demgegeniiber betonen Filmhistoriker wie Joachim Paech, daB Filmemacher seit 1910 nach literarischen Vorlagen suchen, ja, daB der Film sich damals mit Hilfe der Literatur aus dem Sumpf der trivialen Burlesken gerett et habe. 1 Die Adaption literarischer Vorlagen sei recht eigentlich zum N ormalfall der Produktion fur das Kino und das Fernsehen geworden. Gerade diesen Zustand bemiingeln nun freilich die V erfechter eines vom literarischen System unabhiingigen Mediums Film; in ihren Augen zeigen V erfilmungen von Literatur ein besonders hohes Potential fur Mediokritiit und Kon- ventionalitiit. 2 Auch fur Alfred Estermann, der dieses gattungsspezifische Syndrom und seine Geschichte auf 450 Seiten mittels einer akribischen Statistik erfaBt hat, ist die Literaturverfilmung immer "eine erste gewaltige Abweichung von dem eigentlichen Kinointeresse eines Filmers" .3 Oft komme nicht viel mehr dabei heraus als "verfilmte Literatur". Eine Verfilmung, so will es ein tradierter, sich an Literatur als kultureller Dominante orientierender Diskurs, meint notwendigerweise immer eine Verkiirzung von Literatur, eine Verwiisserung und Bastardi- sierung der literarischen Vorlage. In der fortdauernden Literaturver- filmungsdebatte, die in vielen Aspekten auf Ansiitze der alten Kino- Debatte der zwanziger Jahre zuriickgeht, spielt das Kriterium der 'Treue' zum literarischen Material immer noch eine zentrale Rolle, so als habe es die Besinnung der verschiedenen Kunstgattungen auf ihre materialen Eigenstrukturen, typisch fur die iisthetische Moderne, nie gegeben. 4 Immer wieder...

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