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Symphonie der Worte

Musikalisierung von Fiktion in ausgewählten Werken Irène Némirovskys

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Eva Franziska Pemmerl

Das umfangreiche Werk der in Auschwitz umgekommenen Autorin Irène Némirovsky erlebt seit der posthumen Veröffentlichung ihres unvollendeten Romanepos Suite française sowie dessen prompter Auszeichnung mit dem Prix Renaudot eine internationale Renaissance. Die detaillierten Romanentwürfe und Projektskizzen aus dem handschriftlichen Nachlass der bereits zu Lebzeiten gefeierten  Schriftstellerin bedeuten einen Glücksfall für die Forschung, dokumentieren sie doch im Detail Némirovskys intensive Auseinandersetzung mit intermedialen Schreibexperimenten. Wie vor ihr Marcel Proust, James Joyce und Thomas Mann, entdeckte sie die Musik als vielseitiges Modell für die Konzeption und Gestaltung ihres Schreibens. Keine geringere als Beethovens fulminante 5. Symphonie stand Pate für Suite française – das Werk orientiert sich damit in Form und Struktur, aber auch in assoziativen außermusikalischen Inhalten an einer der bedeutendsten Kompositionen der klassischen Musik. Das Buch zeigt auf, mit welchen rhetorischen, narrativen und strukturellen Mitteln es Némirovsky gelingt, die jeweilige musikalische Vorlage in den literarischen Text zu übersetzen, und ermöglicht somit völlig neue Einblicke in das Hauptwerk der Autorin.
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Einleitung

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Im Jahr 2017 jährte sich die Russische Revolution zum hundertsten Mal; ein historischer Anlass, dem – und dessen zahlreichen Opfern – auf der ganzen Welt mit Ausstellungen, Vorträgen und Neuveröffentlichungen Respekt gezollt wurde. In der renommierten Londoner Royal Academy of Art wurde der Einfluss dieses politischen Umsturzes auf die bildenden Künste und nicht zuletzt Künstler nachverfolgt; auf eine Zeit des Enthusiasmus über die grenzenlosen Möglichkeiten neuer Ästhetik zu Beginn der Umwälzungen folgt Stalins brutale Unterdrückung nicht regimekonformer kreativer Ausdrucksformen.1 Für die vierzehnjährige Irène Némirovsky und ihre Familie beginnen Jahre des Exils, nachdem auf Irènes Vater, einen erfolgreichen jüdischen Bankier und Spekulanten, ein Kopfgeld ausgesetzt wird.

Irina Némirovsky kommt 1903 in Kiew als einziges Kind des Bankiers Leonid und seiner Frau Fanny zur Welt. Im Zuge der Russischen Revolution 1917 verlässt die Familie Russland und begibt sich für ein Jahr nach Finnland ins Exil; nach weiteren drei Monaten in Stockholm lassen sich die Némirovskys 1919 in Paris nieder.2 Im Anschluss an ihr Literaturstudium an der Sorbonne gelingt Irène Némirovsky im Alter von 26 Jahren der literarische Durchbruch mit ihrem Roman David Golder, der für Bühne und Film adaptiert und 1930 in Pariser Theaterhäusern gespielt und ein Jahr später verfilmt wird.3 In den Dreißigerjahren veröffentlicht Némirovsky weitere neun Romane, darunter Le Bal, der ebenfalls 1931 als Vorlage für ←1 | 2→einen Kinofilm...

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