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Zum Phänomen des Austauschs in den Geistwissenschaften/Les phénomènes de l'échange dans les sciences humaines

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Edited By Silvia Richter and Maude Williams

Obwohl dem Begriff des Transfers, insbesondere des Kulturtransfers, in der Forschung heute große Aufmerksamkeit zukommt, findet im Gegenteil derjenige des Austauschs weit weniger Beachtung. Dennoch ist das Phänomen des «Austauschs» allgegenwärtig in den Arbeiten der Geisteswissenschaften.

In vielen Bereichen der Geisteswissenschaften erweist sich dieser Begriff als nützlich, um Transformationsprozesse, von der Moderne bis heute, zu analysieren. Durch Beispiele aus Geschichte, Philosophie, vergleichender Literaturwissenschaft, Linguistik sowie zeitgenössischer Kunst hinterfragen die in diesem Band versammelten Autoren den Begriff des Austauschs, seine Art, Formen und Wirkungen. Bei der Vielfalt der Austauschsformen konzentrieren sich die Autoren insbesondere auf deren Charakteristika und Besonderheiten, um die Grundlagen für eine tragfähige Definition des Austauschs zu legen.

Bien que la notion de transfert, notamment de « transfert culturel » (Kulturtransfer) soit aujourd’hui bien étudiée, celle de l’échange au contraire est quelque peu délaissée par la recherche. Le phénomène de « l’échange » est pourtant omniprésent dans l’étude des sciences humaines. Dans beaucoup de domaines scientifiques, cette notion s’avère utile afin d’analyser des processus de transformation de l’époque moderne à nos jours.

À travers l’histoire, la philosophie, la littérature comparée, la linguistique et l’art contemporain, les auteurs de cet ouvrage s’interrogent sur la notion d’échange, sa nature, ses formes et ses effets. Parmi la diversité des formes d’échange, les réflexions des auteurs se focalisent notamment sur ses caractéristiques, ses spécificités, afin de poser les jalons d’une définition viable de ce qu’est l’échange.

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Wann fängt Austausch an? Sprachliche Dialogizität über Sprechakte hinaus

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Dass Austausch bzw. Dialogizität konstitutiv sind für die Phänomene, mit denen sich Pragmatik, Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie befassen, mag auf den ersten Blick als evident erscheinen. Dennoch lässt sich nach dem genauen Status dieser beiden konkurrierenden Kategorien fragen: Wann fängt Austausch an? In der Sprechhandlung? Auf der Kompetenzebene der Sprache? In der intentionalen Kognition? Oder noch höher? Wer sind die „Austauschpartner“, die in der wissenschaftlichen Erforschung menschlicher Sprachhandlungen auf den Plan gerufen werden müssen?

Ein erster möglicher Ausweg wäre der Rückgriff auf klassische Ansätze der sprachphilosophischen Pragmatik angelsächsischer Prägung. Vor allem zwei Modelle kommen hier in Frage: Searles Sprechakttheorie1 und Stalnakers2 Theorie der Assertion. Auf die Sprechakttheorie möchte ich hier nicht eingehen. Es versteht sich aber von selbst, dass Begrifflichkeiten wie „illokutive Kraft“ oder eben „Sprechakt“ den Austausch als Grundlage für jede sprachlich-kommunikative Handlung voraussetzen: Sprache wird hier als Zeichensystem zur Vollstreckung sozialer, d.h. auch intersubjektiver, Handlungen und Zielsetzungen konzipiert. Stalnakers Theorie der Assertion liefert einen zweiten, außerhalb der Pragmatik erstaunlich wenig berücksichtigten Weg zur Analyse des kommunikativen Austauschs. Stalnakers Grundbegriff ist der des Common Ground (bzw. Common Ground Management). Unter Common Ground ist die Menge aller Propositionen und Vorstellungen zu verstehen, die zwischen mehreren ← 11 | 12 →Interaktionsteilnehmern geteilt sind. Das heißt, beide Teilnehmer bekennen sich gleichmäßig zum Wahrheitsgehalt der Proposition, und jeder weiß, dass auch der andere sich dazu bekennt. Eine Proposition p ist Teil des Common...

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