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Bauen und Erhalten in al-Andalus

Bau- und Restaurierungspraxis in der Moschee-Kathedrale von Córdoba

Francine Giese

Die Moschee-Kathedrale von Córdoba zählt zu den Hauptwerken spanisch-islamischer Architektur und markiert als erster Monumentalbau von al-Andalus den Beginn einer der fruchtbarsten Phasen westislamischer Architektur. Welches sind die bautechnologischen Merkmale des Baus und wie ist er innerhalb der islamischen Architektur zu verorten? Welche Veränderungen durchlief die umaiyadische Hauptmoschee von Córdoba nach ihrer Weihung zur Kathedrale im Jahre 1236 und inwiefern beeinflusste diese neue Nutzungsphase die Denkmalpflegestrategien des 19. und 20. Jahrhunderts? Eine kritische Untersuchung der Bau- und Restaurierungspraxis in der einst wichtigsten Moschee des islamischen Westens bietet neue Erkenntnisse zur Architektur von al-Andalus und dem nicht immer einfachen Umgang Spaniens mit seinem islamischen Erbe.

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3.3.6 Gewölbe

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Gemäss eines Briefes vom 9. Februar 1916 von der für die Herstellung des Mosaiks beauftragten französischen Firma J. & H. Mauméjean Frères mit Madrider Niederlassung, erfolgte die Anbringung des Fenstergitters gleichzeitig mit derjenigen des Mosaiks zwischen dem 19. Februar und 1. April 1916799. Die Originalfragmente, die für die Rekonstruktion von Gitter und Mosaik benutzt wurden, liess Velázquez Bosco in keinem der beiden Fälle in seine historisch im Grunde wertlosen Neuschöpfungen integrieren800.

Ganz anders präsentiert sich das Fenstergitter der westlichen Maqsurafassade, das rund einhundert Jahre früher ersetzt wurde, als unter der Leitung des Tessiner Architekten Nicolás Duroni die Konsolidierung der Mosaiken und Stuckverkleidungen der einstigen Capilla de San Pedro stattfand. Denn obwohl das Gitter wie sein östliches Pendant von weitem authentisch aussieht (Abb. 67b), ist es dies bei genauerem Hinschauen keineswegs, wie Brisch 1966 betonte, als er anmerkte,

[…] dass das Muster zwar gewisse Erinnerungen an Ornamente der Moschee von al-Ḥakam II. erweckt, dass die Ausführung aber absolut abweichend von islamischen Werkstattgewohnheiten ist.801

Diese Differenzierung zwischen Originalsubstanz und neuzeitlichem Ersatz erinnert stark an die gleichzeitig erfolgte und unter 3.3.3.2 ausführlich besprochene Restaurierung der Mosaiken. Wie dort, wurde anscheinend auch hier darauf Wert gelegt, dass die Ergänzungen auch als solche erkennbar bleiben, während sie sich dem Gesamtensemble unterordnen. Erst ein genauer Blick weist sie als spätere Zutat aus. Denn wie Brisch←303 | 304→ ganz richtig feststellte, besteht das Gitter...

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