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Bauen und Erhalten in al-Andalus

Bau- und Restaurierungspraxis in der Moschee-Kathedrale von Córdoba

Francine Giese

Die Moschee-Kathedrale von Córdoba zählt zu den Hauptwerken spanisch-islamischer Architektur und markiert als erster Monumentalbau von al-Andalus den Beginn einer der fruchtbarsten Phasen westislamischer Architektur. Welches sind die bautechnologischen Merkmale des Baus und wie ist er innerhalb der islamischen Architektur zu verorten? Welche Veränderungen durchlief die umaiyadische Hauptmoschee von Córdoba nach ihrer Weihung zur Kathedrale im Jahre 1236 und inwiefern beeinflusste diese neue Nutzungsphase die Denkmalpflegestrategien des 19. und 20. Jahrhunderts? Eine kritische Untersuchung der Bau- und Restaurierungspraxis in der einst wichtigsten Moschee des islamischen Westens bietet neue Erkenntnisse zur Architektur von al-Andalus und dem nicht immer einfachen Umgang Spaniens mit seinem islamischen Erbe.

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4 Bauen und Erhalten in al-Andalus

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4 Bauen und Erhalten in al-Andalus

Ziehen wir an dieser Stelle Bilanz und fassen die Hauptaussagen der Studie zusammen: Bauuntersuchungen ohne Mitberücksichtigung technologischer und denkmalpflegerischer Gesichtspunkte können aufgrund der nachgewiesenen Bedeutung konstruktiver und materialspezifischer Aspekte sowie des aufgezeigten Umfangs nachträglicher Erneuerungen und Wiederherstellungen nicht mehr als zeitgemäss betrachtet werden. Wie bei der Besprechung der in Moschee-Kathedrale von Córdoba im 19. Jh. und 20. Jh. vorherrschenden Restaurierungspraxis ersichtlich wurde, zielte ein Grossteil der realisierten Interventionen auf eine Angleichung von alt und neu ab. Eine Differenzierung liess sich hierbei teils durch die Kenntnis der ursprünglichen Bauverfahren und der dabei traditionell verwendeten Materialien erzielen, teils durch die kritische Lektüre der von den verantwortlichen Denkmalpflegern verfassten Restaurierungsprojekte.

Die Analyse der in der Cordobeser Hauptmoschee nachweisbaren Bautechnik liess aber noch andere Schlüsse zu. So konnten durch die verwendeten Verfahren und Materialien architekturgeschichtliche Verwandtschaften und Abhängigkeiten aufgedeckt werden. Die Stellung der in der Grossen Moschee von Córdoba fassbaren, westumaiyadischen Architektur innerhalb eines globalen Kontextes konnte dabei ebenso aufgezeigt werden, wie ihre Verankerung in der lokalen Bautradition. Die Ausgangspunkte der in Córdoba aufgenommenen Impulse können dabei eindeutig benannt werden. Neben den ostumaiyadischen Zentren Jerusalem und Damaskus, wo die Architektur an der Wende vom 7. Jh. zum 8. Jh. artikuliert wurde, sind dies ebenso die in Qaṣr al-Ḥair al-Ġarbī und Ëirbat al-Mafğar nachweisbaren jüngeren umaiyadischen Strömungen wie das in Samarra greifbare, abbasidische Architekturrepertoire, das im 10....

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