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The Myth of the Orient

Architecture and Ornament in the Age of Orientalism

Edited By Francine Giese and Ariane Varela Braga

This volume commemorates the 160th anniversary of the Selamlik of Oberhofen Castle near Thun – one of the most significant Swiss Orientalist interiors, designed by the Bernese architect Theodor Zeerleder (1820–1868) – by presenting the latest research on the spectacular smoking room inspired by the luxurious reception halls in Cairo, which Zeerleder discovered during his travels to the East. At the same time, this collection of essays explores the significance of the famous city on the Nile as a privileged model for 19th-century architecture and ornamentation, bringing together papers by Mercedes Volait (Paris), Romain Siegenfuhr (Paris), Richard Parisot (Besançon), Elke Pflugradt-Abdel Aziz (Düsseldorf), Tarek Ibrahim (Berlin), Vincenza Garofalo (Palermo), Andrea Lermer (München), Rémi Labrusse (Paris), Ariane Varela Braga (Zürich), Leïla el-Wakil (Genève), Francine Giese (Zürich) and Annette Loeffel (Bern).

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Von Kairo nach Dresden: Zu den islamischen Vorbildern der Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze, ihrer medialen Vermittlung und formalen Adaption

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ANDREA LERMER

Die ehemalige Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze in Dresden (Abb. 1) zählt zu den spätesten Beispielen orientalistischer Architektur in Deutschland. 1907-09 wurde sie für den Fabrikanten Hugo Zietz in der Dresdner Friedrichstadt errichtet, in einem neuen Gewerbegebiet nahe der Eisenbahnlinie und der Elbe. Dresden hatte sich seit den 1860er Jahren zum Hauptort der Tabakverarbeitung in Deutschland entwickelt. In Zietz’ 1886 gegründetem Unternehmen produzierten zur Zeit des Fabrikneubaus an die 1200 Arbeiter Zigaretten1. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland überwiegend Orient-Tabake verarbeitet. Erst nach 1945, unter dem Einfluß des amerikanischen Marshall-Plans und der politischen Abgrenzung des östlichen Europas, fand ein umfassender Wechsel zu American Blend-Zigaretten statt. Entsprechend trugen die deutschen Zigarettenmarken insbesondere bis zum Ersten Weltkrieg bevorzugt orientalisch klingende Namen. Zietz hatte seine Firma nach dem Tabak-Anbaugebiet um den nordgriechischen Ort Yenidze benannt, der damals zum Osmanischen Reich gehörte2. ← 111 | 112 → Sein Fabrikneubau war ein regelrechter Coup: Ein hochmodernes Gebäude, das alle Errungenschaften der Technik sowie des Arbeiterschutzes aufwies, diese jedoch hinter einer orientalistischen Fassade verbarg. Wie die Zigaretten-Reklame der Zeit verfolgte Zietz mit seiner Firmenarchitektur eine Imagestrategie, die nicht nur die orientalische Herkunft der hier verarbeiteten Tabake indizieren, sondern gleichzeitig die klischeehaften Vorstellungen vom Orient als Ort von Genuß, farbenfroher Exotik und Sinnenfreude auf das Produkt übertragen sollte3.



Abb. 1 – Dresden, ehem. Oriental. Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze, Martin Hammitzsch, 1909. Foto: X-Weinzar, lizensiert unter CC-BY-SA-3.0.

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