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Morgen-Glantz – 26/2016

Zeitschrift der Christian Knorr von Rosenroth-Gesellschaft

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Edited By Bernhard Jahn and Irmgard Scheitler

Der vorliegende Band 26 der Zeitschrift Morgen-Glantz enthält die überarbeitete Fassung der Vorträge, die an der 25. Tagung der Christian Knorr von Rosenroth-Gesellschaft vom 19.–21. Juni 2015 in Sulzbach-Rosenberg gehalten wurden. Thema der Tagung war: Nicht-aristotelisches Theater in der Frühen Neuzeit. Es werden außerdem weitere Beiträge und Rezensionen im Band veröffentlicht, die zum Aufgabenbereich der Gesellschaft und ihrer Zeitschrift gehören.

Die Zeitschrift Morgen-Glantz, deren Name dem bekanntesten Kirchenlied des Christian Knorr von Rosenroth entlehnt ist (Morgenglanz der Ewigkeit), versteht sich als Forum für wissenschaftliche Beiträge zu Leben und Werk des Autors sowie zu all den Gebieten, die Christian Knorr von Rosenroth mit Interesse verfolgte, also von der deutschen Literatur bis zur Judaica, von der Hofkultur zur Theologie und von der Musik bis zur Geschichte der Naturwissenschaften.

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„in jetzo neu-übliche Teutsche Reim-Arten nach Mügligkeit übersetzet“. Rezeptionen des Jedermann im 17. Jahrhundert

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„Dieß ist zwar schon ein altes, aber hier sehr merklich verbessertes Stück“,1 schreibt Johann Christoph Gottsched 1765 im zweiten Teil seines Nöthigen Vorraths zur Geschichte der deutschen Dramatischen Dichtkunst. Er bezieht sich auf ein Drama, das ihm in einem genau einhundert Jahre zuvor erschienenen Druck von 1665 vorlag. Dabei handelt es sich um die Bearbeitung eines einflussreichen Jedermann-Dramas der Frühen Neuzeit, des Homulus Jaspar von Genneps von 1540.2 Angefertigt hatte sie Heinrich Mettengang, poeta laureatus und Lehrer am calvinistischen Gymnasium illustre in Bremen.3 Wenn Gottsched von einem ‚alten Stück’ spricht, so geschieht dies mit Blick auf die Stoffgeschichte des Homulus, die ihm bis ins 16. Jahrhundert zurück bekannt war.4 Das ← 51 | 52 → Neue, das auch noch Gottsched als erfolgreiche Modernisierungsleistung wahrnimmt, hatte bereits Mettengang auf dem Titelblatt hervorgehoben: Das Spiel sei „in jetzo neu-übliche Teutsche Reim-Arten nach Mügligkeit übersetzet“.5 Mettengangs Homulus ist also nicht nur, wie bislang angenommen, eine späte Rezeption des Jedermann-Stoffes, sondern auch eine frühe und ambitionierte Rezeption der opitzianischen Versreform im Drama, denn der Erstdruck erschien nicht erst 1665, sondern bereits 1648 in Bremen.6 So erhält Mettengangs Homulus eine bemer ← 52 | 53 → kenswerte literaturgeschichtliche Position. Das Spiel gewinnt einen aktuellen Bezug auf das poetologische Schrifttum der 1640er Jahre7 und rückt chronologisch zwischen Christoph Kaldenbachs Babylonischen Ofen (1646) und Andreas Gryphius’ Leo Armenius (1650), die als erste eigenständige Trauerspiele nach den Vorgaben von Opitz gelten.8 Doch während Mettengang mit modernen Formen...

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