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Überzeugungen zu frühkindlichen Bildungs- und Lernprozessen und die damit implizierten Aufgaben

Eine qualitative Studie in Kindertageseinrichtungen der deutschsprachigen Schweiz

Katrin Schaerer-Surbeck

Der Bedarf an frühkindlichen Betreuungseinrichtungen ist unbestritten und ihnen werden neue Funktionen zugeschrieben: Individuelles Begleiten und Unterstützen von frühkindlichen Bildungs- und Lernprozessen. Damit steht das Personal vor neuen Herausforderungen.

Wenn ein Paradigmenwechsel hin zu einem «Bildungsauftrag» angestrebt wird, lässt sich dies nicht über die Köpfe des frühpädagogischen Fachpersonals hinweg realisieren. Deren Verständnis und Überzeugungen beeinflussen zentral die Umsetzung der neuen Anforderungen.

In der vorliegenden Untersuchung wird der Frage nachgegangen, wie die Fachpersonen ihre Aufgaben in Bezug auf das Begleiten von frühkindlichen Bildungs- und Lernprozessen beschreiben. Dabei sollen, und so ist die qualitative Studie angelegt, die Protagonisten und mehr noch die Protagonistinnen selber zu Wort kommen. Ihre Überzeugungen werden in ihrer Komplexität aufgefächert und dargestellt. Die Studie leistet einen Beitrag zur aktuellen Bildungs-, Qualitäts- und Professionalisierungsdebatte im Frühbereich.

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1. Einleitung und Überblick

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1.    Einleitung und Überblick

In der Schweiz ist der Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) in den letzten Jahren stärker in den Fokus bildungspolitischer und wirtschaftlicher Debatten gerückt und nimmt seit gut 20 Jahren auch im entwicklungspsychologischen und pädagogischen wissenschaftlichen Diskurs eine zunehmend beachtete Rolle ein. „Vermutlich gibt es keinen Bereich des Erziehungs- und Bildungswesens, der sich in den letzten zwei, drei Jahrzehnten so grundlegend verändert hat und sich zugleich noch inmitten so umfangreicher Veränderungen befindet wie die Kindertagesbetreuung“ (Bien, Rauschenbach & Riedel 2006, S. 11). Diese Vermutung, die im Rahmen einer deutschen Untersuchung formuliert wurde, dürfte auch auf die Schweiz zutreffen.

Die Nachfrage nach familienergänzenden Angeboten ist, bedingt durch den gesellschaftlichen, demografischen und wirtschaftlichen Wandel, in den letzten Jahren stetig gestiegen (vgl. BFS 2010). Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, hat der Bund auf die Nachfrage reagiert und im Jahr 2002 ein Finanzhilfeprogramm lanciert, mit dessen Mitteln binnen elf Jahren 43 255 neue Betreuungsplätze geschaffen werden konnten. Bis Ende 2013 wurden 245,1 Mio. Franken in dieses Programm investiert. Aus den Unterlagen geht hervor, dass hauptsächlich Kinder im Alter von 2–4 Jahren (56 %), aber auch solche, die jünger als 2 Jahre sind (34 %), betreut werden und der grösste Anteil der Kinder durchschnittlich zwei Tage pro Woche dieses Betreuungsangebot in Anspruch nimmt. Die Nachfrage nach Finanzhilfen bleibt nach wie vor gross. Es werden fortlaufend neue...

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