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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750) IV

Beiträge zur vierten Arbeitstagung in Palermo (April 2015)

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Laura Auteri, Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

In Fortsetzung des Arbeitsprogramms der Forschungsgruppe widmet sich dieser Band einer ungewohnten Perspektive der Rezeptionsliteratur, nämlich der Aufnahme von historischen Figuren und literarischen Werken der frühen Neuzeit in der deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Von der Melusinenlegende bis zu den utopischen Entwürfen des 17. Jahrhunderts wird das Fortleben dieser Stoffe an zahlreichen Beispielen illustriert. Dabei stellt sich heraus, dass geeignete Figuren sehr häufig für die nationalistische Propaganda der Moderne instrumentalisiert werden.

Der Festvortrag von P. Andersen über die staufische Literatur enthält eine bemerkenswerte These zur Identität von Hartmann von Aue.

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Das Deutschland von Martin Opitz im historischen Roman vor und nach 1945 (Anne Wagniart)

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Das Deutschland von Martin Opitz im historischen Roman vor und nach 1945

Anne Wagniart (Arras)

Zusammenfassung: Anhand des Bildes von Deutschland zur Zeit von Martin Opitz im populären historischen Roman vor und nach 1945 bei Max Halbe, Günter Grass und Charlotte Link wird das Zurücktreten der Vergangenheit hinter moderne, rezipientenbezogene Massenthemen wie Liebe, Frauenemanzipation und Künstlerproblematik analysiert. Das Jahr 1945 erscheint als Zäsur, denn nach Halbes Friedensinsel (1944) wird der historische Roman im Butt (1977) von Günter Grass und in Charlotte Links Wenn die Liebe nicht endet (1986) resolut gegenwartsbezogen. Er verliert seinen historischen Charakter. Von der deutschen Vergangenheit vor 1945 bleibt ein dünnes Lehrbuchwissen, ansonsten wird sie ausgeblendet. Was sie ersetzt, ist nicht viel. Link dient das, relativ genau, aber meist künstlich, in Form populärwissenschaftlicher geschichtlicher Exkurse, aufgepfropfte historische Setting der Umbruchszeit des Dreißigjährigen Krieges dazu, den Emanzipationsprozess ihrer resolut modernen Protagonistin zu schildern. Grass benutzt sein Opitz-Porträt zur Selbstdarstellung. Die Konfrontation zwischen dem naiv-depressiven Anfänger Andreas Gryphius und dem gesellschaftlich eingebundenen Opitz erlaubt ihm, sich gegen den Vorwurf in Schutz zu nehmen, sein politisches Engagement im Wahlkampf für Willy Brandt von 1972 könne seiner Schriftstellerei schaden. Nur bei Halbe, dessen Opitz-Darstellung Grass beeinflusste, werden die Wirklichkeit des 17. Jahrhunderts und die Danziger Lebensjahre von Opitz noch historistisch erzählt. Das Beispiel der ideologischen, wirklichkeitsblinden Bewertung Halbes in jüngster Zeit zeigt den Bruch mit der Vergangenheit, den Prozess der...

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