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Die «Länge Christi» in der Malerei

Codifizierung von Authentizität im intermedialen Diskurs

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Anna Boroffka

Ab dem ausgehenden Mittelalter verbreiten sich in Europa großformatige Gemälde der sogenannten Länge Christi. Diese in der kunsthistorischen Forschung bisher kaum beachteten Malereien wurden als Kultbilder verehrt und zeigen Christus in seiner angeblich wahren irdischen Gestalt. Die Arbeit präsentiert erstmals eine komparatistische Analyse und Katalogisierung aller bisher bekannten, zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert entstandenen Gemälde der «Länge Christi».

Das Bildmotiv wird dabei nicht als singuläres Thema der Malerei behandelt, sondern in den größeren Kontext der Verehrung der metrischen Reliquie der Körperlänge Christi eingebunden. Gezeigt wird, wie die aus Jerusalem in den Westen vermittelte Maßreliquie über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren hinweg von unterschiedlichen Medien wie der Buchmalerei, der Druckgrafik, der Architektur, der Malerei oder der Skulptur aufgegriffen und interpretiert wird. Darüber hinaus regt die Arbeit dazu an, auch populäre Bildbeispiele wie den Christus im Grabe (1521–1522) von Hans Holbein d. J. oder die sich ab dem 10. Jahrhundert im Westen verbreitenden Triumphkreuze auf eine mögliche Verbindung zum «Längenkult» hin zu untersuchen.

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IX. Die nordalpinen Wandgemälde der „Länge Christi“

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Bereits ab der Zeit um 1400 lassen sich im nordalpinen Raum auch Wandmalereien des „wahren“ Körpermaßes Christi belegen. In dänischen und deutschen Kirchen haben sich mindestens drei derartige, anhand ihrer Inschrift eindeutig als „Länge Christi“ identifizierbare Gemälde erhalten.1128 Das älteste unter ihnen (Abb. 38) befindet sich in Dänemark und entstand etwa zeitgleich mit dem bisher ersten bekannten, mit einer entsprechenden Inschrift versehenen spanischen Tafelbild der „Longitudo Christi“ (Abb. 21). Damit ist davon auszugehen, dass der Bildtypus der „maßauthentischen“ Ansicht Christi nicht vom Süden in den Norden vermittelt wurde, sondern sich etwa zur selben Zeit – möglicherweise unter Rezeption der aus Jerusalem stammenden Tuchbilder der „Länge Christi“ – nördlich und südlich der Alpen etablierte. Mit seiner Entstehung rund 85 Jahre vor dem Tafelbild der Wahren Länge Christi (Abb. 29) in Schwäbisch Gmünd ist das dänische Wandbild nicht nur das erste bekannte nordalpine Gemälde des „Längenkultes“, sondern auch die erste nachweisbare Darstellung der „Länge Christi“, welche durch eine Neusemantisierung der Ikonografie des nordalpinen Salvator Mundi erfolgte. ← 301 | 302 →

Abb. 38: Frelserens Højde, um 1400, Kalkmalerei, Ringsted, Kirche St. Bendts. ← 302 | 303 →

Im Unterschied zu den vergleichsweise mobilen Tuch- und Tafelbildern sind die nordalpinen Wandmalereien die einzigen „Längen-Gemälde“, deren ursprünglicher Präsentationskontext sich heute noch zweifelsfrei nachvollziehen lässt. Die dänischen Kalkmalereien der „Frelserens Højde“ (Höhe des Erlösers) befinden sich in benediktinischen...

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