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Carl Spitteler – Essays zu Leben, Werk und Wirkung

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Dominik Riedo

Carl Spitteler (1845–1924) ist der einzige in der Schweiz geborene Literaturnobelpreisträger. Dazu hat er durch seine Rede «Unser Schweizer Standpunkt» 1914 die Beibehaltung der absoluten Neutralitätspolitik der Schweiz stark mit beeinflusst. Doch das Interesse an seiner Person und seinem Werk kann sich kaum mehr auf aktuelle Veröffentlichungen stützen. Dem hilft diese Monographie ab: Sie liefert Spitteler-Einsteigern grundlegende Informationen und den Fachleuten trägt sie Daten und Fakten zusammen, die noch nie gebündelt erhältlich waren. Vor allem rund um die Nobelpreisverleihung und die Frauen im Leben und in den Texten Spittelers wurde auch neues Archivmaterial gesichtet.
Der Band bietet zu allen wichtigen Texten Spittelers Informationen: angefangen von seinem frühen Epos «Prometheus und Epimetheus» über den «Olympischen Frühling», «Gotthard» und «Imago» bis zu den spät geschriebenen Kindheitserinnerungen. Auch seine Wirkung und der Fall Jonas Fränkel werden beleuchtet. Im Anhang schliesslich findet man ein Biogramm des Dichters, Stimmen zu ihm und seinem Werk, sowie eine Bibliographie inklusive der wichtigsten Websites und Archive, in denen Material zu Spitteler lagert.

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Der Fall Fränkel

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Jonas Fränkel war ab 1908 bis zum Tod Carl Spittelers 1924 dessen Freund, Erstleser und redaktioneller Mitarbeiter. Vor allem «Prometheus der Dulder» wäre ohne ihn wohl gar nicht mehr zu Ende geschrieben worden. Zudem war er massgeblich dafür verantwortlich, dass Spitteler 1920 (für das Jahr 1919) den Nobelpreis erhielt. Doch Fränkel starb 1965 bei Thun als ein gebrochener Mann, dem von der offiziellen Schweiz schier unglaubliche Ungerechtigkeiten angetan worden waren.

Geboren 1879 in Krakau, damals noch Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, wuchs Fränkel als Sohn jüdischer Eltern mit sechs Geschwistern ebendort auf, wo er sich zunächst auf eine Laufbahn als Rabbiner vorbereitete. Nach seinem Bruch mit dem Glauben infolge fundamentaler Zweifel an allen religiösen Institutionen wandte er sich der Philosophie, Literatur und Kunst zu. Ab 1898 studierte er, zuerst in Wien, dann in Bern (und einige Jahre forschte er in Berlin). Hier, in der Schweizerischen Bundeshauptstadt, promovierte und habilitierte er – letzteres 1909 mit einer Studie über die Briefe Goethes an Charlotte von Stein («Beiträge zur Kritik und Textgeschichte der Briefe Goethe’s an Charlotte v. Stein»; sie liess bereits seine grosse editionstechnische Begabung sehen). Ab diesem Zeitpunkt bis 1921 war er als Privatdozent für Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bern tätig, danach (unter anderem auf Fürsprache Spittelers) als ausserordentlicher Professor für deutsche Literatur und vergleichende Literaturgeschichte – bis zur Pensionierung 1949. Auf Anfragen deutscher Universitäten ging er nicht ein, er wollte in der...

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