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«Ritt über’n Bodensee» – Erinnerungen einer Schauspielerin

Von Lilly Kann

Series:

Charmian Brinson and Richard Dove

Die Schauspielerin Lilly Kann machte sich einen Namen auf der deutschen Bühne als hervorragende Interpretin klassischer Hauptrollen. Dieser Band enthält ihre Erinnerungen an eine sechzig Jahre währende Bühnenkarriere. Kann debütierte als 16-Jährige am Bonner Stadttheater, wo sie zusammen mit dem später weltberühmten Emil Jannings spielte. In den 1920er Jahren war sie an verschiedenen namhaften Theatern engagiert, u.a. am Schauspielhaus Düsseldorf, wo sie als «die große Tragödin» gefeiert wurde. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand sich Kann von der deutschen Bühne ausgeschlossen. Besonders aufschlussreich sind ihre Aufzeichnungen zum Theater des Jüdischen Kulturbundes in Berlin, bei dem sie sechs Jahre auftrat: alle Aufführungen fanden unter den wachsamen Augen der Gestapo statt. Kurz vor Kriegsausbruch emigrierte Kann nach Großbritannien, wobei sie «nicht im Traum» daran dachte, auf der englischen Bühne aufzutreten. Trotzdem gelang es ihr, 1942 ihr englisches Bühnendebüt zu geben. In den Nachkriegsjahren spielte sie verschiedene Hauptrollen auf der englischen Bühne.

Ein wichtiger Aspekt ihrer Aufzeichnungen ist der Vergleich zwischen den deutschen und englischen Theaterverhältnissen, einschliesslich der unterschiedlichen Art des Theaterspielens. Ihr mitreißender Lebensbericht stellt einen Schlüsseltext zum Theater im Exil dar.

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Einführung

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Wer war Lilly Kann? Ihr Name ist heute kaum noch bekannt, weder in ihrem Geburtsland Deutschland noch in ihrer Wahlheimat Großbritannien, was ohne Zweifel auf die Spaltung in ihrer Bühnenkarriere, die sich in zwei Ländern abspielte, zurückzuführen ist. Geboren wurde sie 1893 in der deutschen Kleinstadt Kempen in Posen, nahe der damaligen deutsch-polnischen Grenze, aber die Familie zog nach Berlin um, als Lilly sechs Jahre alt war. Als sie acht Jahre war, starb ihre Mutter, gefolgt drei Jahre später von ihrem Vater. In der Schule, die sie zu dieser Zeit „meine eigentliche Heimat“ nennt, war sie von Anfang an für ihr schauspielerisches Talent bekannt. Auch als junges Mädchen wusste sie, dass sie zur Bühne gehen wollte, ja musste; denn ein Leben ohne die Bühne war ja für sie überhaupt kein Leben. So leicht fiel es ihr jedoch nicht, dieses glühende Begehren in die Tat umzusetzen.

Das Erstaunliche an Kanns Bühnenkarriere ist, dass sie überhaupt zustande kam. Ihr Lebensbericht resümiert die großen praktischen und persönlichen Schwierigkeiten, die sie überwinden musste, um zur Bühne zu kommen. Sie nennt ihre Karriere schlicht „ein Hindernisrennen“, und in diesem Sinne ist auch der Titel ihrer Memoiren zu verstehen. Als „Ritt über den Bodensee“ wird eine kühne Tat bezeichnet, bei der dem Akteur erst später bewusst wird, wie riskant das Unternehmen war.

Einerseits war Lilly Kann für die Bühne...

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