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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Zürich 2015

Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950

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Edited By Sabina Becker and Sabine Schneider

Einerseits gehörte Alfred Döblin nicht zu jener Gruppe von Autoren, die das Exil als einen ‚Weg ohne Rückkehr‘ oder gar als Chance erfuhr. Er ist andererseits aber auch nicht zu jenen Schriftstellern zu zählen, die in der Emigration völlig verstummten. Aufgrund seiner Bedeutung für die literarische Epoche des Exils ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Exilpositionen und -werken dieses Autors perspektivenreich. Döblins Werke werden im Kontext der Themen, Genres, Projekte, politischen Ausrichtung und kulturellen Tendenzen des gesamten Exils diskutiert, sein Wirken im Umfeld der Debatten und weiteren Aktivitäten der Exilierten verortet.
Der Band dokumentiert das 20. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2015 zum Thema „Exil als Schicksalsreise. Alfred Döblin und das literarische Exil 1933–1950“ in Zürich tagte.

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Döblins Babylon Narrative und Modelle des Exils (Von Andreas Kilcher)

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Döblins Babylon Narrative und Modelle des Exils

Andreas Kilcher

„Was ist denn an dem Ganzen? Lohnt es, das niederzuschreiben, die Fahrt von da nach da, die Schwierigkeiten, die sich erhoben und was es sonst noch gab?“ (Alfred Döblin, Schicksalsreise, 1949)

„Schon wenn wir an die Schilderung denken, die wir von uns geben müssen, um zu sagen, wohin wir verschlagen werden, erschrecken wir und werden nach der einen Richtung verschlagen, bevor wir die Gelegenheit haben, nach der anderen verschlagen zu werden.“ (Alfred Döblin, Babylonische Wandrung, 1934)

Abstract: Das alte Babylon, die mythische Stätte von Zerstreuung, an der in biblischer Vorzeit ein strafender Gott die Sprache der hochmütigen Menschen verwirrte (Gen 11.9), zugleich aber auch die historische Stätte einer antiken Diaspora, in die die Juden Palästinas 597 v. Chr. nach der Eroberung ihres Königreichs durch den babylonischen König Nebukadnezar II. verbracht wurden und an dessen Wassern sie, wie es im Psalm 137 heißt, „weinend an Zion denkend“, ihr Exil beklagten – dieses alte Babylon von Verwirrung und Vertreibung wurde 1933 zu einem naheliegenden Resonanzfeld des neu anbrechenden Exils. Solche Konstellationen von Antike und Gegenwart des Exils zeichnen nicht nur die Poetik und Politik des historischen Romans aus, der, indem er die Jetztzeit in Bildern der Vergangenheit indirekt beschreibt, zu einer leitenden und vieldebattierten Gattung der Exilliteratur wurde. Der „Tigersprung ins Vergangene“ (so Walter Benjamin 1940 in seinen geschichtsphilosophischen Thesen) des...

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