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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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„Dreßden wird nunmehro Athen für Künstler“ Zur antiken Topographie des nachmaligen Elbflorenz um 1750 (Martin Dönike)

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MARTIN DÖNIKE

„Dreßden wird nunmehro Athen für Künstler“

Zur antiken Topographie des nachmaligen Elbflorenz um 1750

I.

Im Jahre 1843 veröffentlichte der österreichisch-ungarische Unterhaltungsschriftsteller Julius Feodor Chownitz (1814–1888) einen Band mit dem Titel Moderne Wiener Perspektiven, in dem er eine humoristische Beschreibung der Hauptstadt des Kaisertums Österreich gibt. Wien, das ist für ihn eine „über die Maaßen schöne Stadt“, deren „Einwohner […] die liebenswürdigsten Menschen“ seien.1 Das Problem sei nur, dass dies von deutschen Schriftstellern völlig anders dargestellt würde, weshalb es an der Zeit sei, dass endlich wieder einmal ein „Oesterreicher über Oesterreich“ schreibe.2 Die monierte negative Außenperspektive auf Österreich und die Wiener schildert Chownitz im zweiten Kapitel, das den Titel trägt: „Wien und die Wiener vom Standpunkte bei Stehely und dem Thiergarten aus besehen; oder ‚Ach, wenn sie man nur ein Bischen jebildeter wären‘.“3 Den von den deutschen Nachbarn (und hier vor allem von den Berlinern) gegen die Wiener gerichteten Vorwurf, ungebildet, ja „dumm“ zu sein, kontrastiert Chownitz mit dem vermeintlich hohen Niveau, das die im wahrsten Sinne des Wortes ‚klassische‘ Bildung der Deutschen – zumindest ihrer eigenen Meinung und ihrem eigenen Anspruch nach – demgegenüber auszeichne: ← 59 | 60 →

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