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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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Titus in Prag Mozarts Krönungsoper als politisch-ästhetische Provokation (Astrid Dröse)

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ASTRID DRÖSE

Titus in Prag

Mozarts Krönungsoper als politisch-ästhetische Provokation

I.  Una porcheria tedesca

„Una porcheria tedesca“, „eine deutsche Sauerei“ – so bewertete angeblich Kaiserin Maria Ludovica Mozarts Oper La clemenza di Tito,1 die am 6. September 1791 anlässlich der Krönung ihres kaiserlichen Gemahls Leopolds II. zum König von Böhmen am Nostitz’schen Nationaltheater zu Prag uraufgeführt wurde.2 Auch die böhmischen Stände, Auftraggeber der Huldigungs ← 147 | 148 → oper, waren verärgert; der Impressario Domenico Guardasoni verlangte und erhielt Entschädigung für die finanziellen Verluste.3 Eine andere Reaktion zeigte dagegen das bürgerliche Publikum, für welches das Werk eigentlich nicht primär bestimmt war: Es sah in Mozarts Prager Krönungsoper ein modernes Meisterwerk, „eine Fortsetzung musikalischer klassizistischer Intentionen nach den Prinzipien Glucks und Winckelmanns“4. Im Laufe des 19. Jahrhunderts avancierte das Stück zu einer der erfolgreichsten Opern Mozarts und blieb in der Publikumsgunst nur hinter dem Don Giovanni und der Zauberflöte zurück.5

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