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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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Von Barde zu Barde Die Wiener Aufklärung in Michael Denis’ Topographie der deutschen Literatur (Annika Hildebrandt)

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ANNIKA HILDEBRANDT

Von Barde zu Barde

Die Wiener Aufklärung in Michael Denis’

Topographie der deutschen Literatur

Als Christian Felix Weiße die ersten Bardendichtungen aus Wien zu Gesicht bekommt, reagiert er mit Unverständnis. Zwar sei ihm das „Andenken unserer Vorältern“1 ebenso wichtig wie Michael Denis: dem Ossian-Übersetzer aus der Gesellschaft Jesu,2 der nun mit der Bardenfeyer am Tage Theresiens (1770) auch seine eigenen Oden auf ein nordisches Paradigma umstellt.3 Doch warum Denis das Lob der aktuellen österreichischen Kultur mit „dieser alten Sprache“ kombiniert, erschließt sich Weiße keineswegs:

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