Show Less
Restricted access

Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

Series:

Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

Show Summary Details
Restricted access

Konfuzius und die chinesische Antike im Europa der Aufklärung (Georg Lehner)

Extract

GEORG LEHNER

Konfuzius und die chinesische Antike im Europa der Aufklärung

Das vielfältige Angebot antiker Modelle, auf das die literarische Aufklärung zurückgreifen konnte, war vor allem durch die Berichte und Publikationen der Jesuiten um eine chinesische Antike bereichert bzw. erweitert worden. Primär waren es Motive und Stoffe der chinesischen Antike (gemeint ist die Zeit vom 8. bis zum 3. Jh. v. Chr., für die sich dieser Begriff in den letzten Jahren durchaus etabliert hat), die auf diesem Weg einer europäischen Rezeption und Transformation zugänglich gemacht wurden. Nur wenige Gelehrte konnten chinesische Texte im Original lesen – im Hinblick auf die Rezeption ein wesentlicher Unterschied zu den Texten der griechischen, römischen oder hebräischen Antike. Der Zugang zu den literarischen Traditionen Chinas und damit tiefere Einblicke in die Gattungen der chinesischen Literatur blieben den Europäern während des gesamten 18. Jahrhunderts weitgehend verschlossen.

Die dem Konfuzius und seinen Schülern zugeschriebenen Werke, die sogenannten Vier Bücher, waren größtenteils im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in Europa in Form lateinischer Übersetzungen bekannt geworden. Von den „Fünf Klassikern“ – den schon im 2. Jh. v. Chr. zur Grundlage der Beamtenprüfungen erhobenen und damit gleichsam kanonisierten Texten – wurde lediglich das Shujing („Buch der Dokumente“) während des 18. Jahrhunderts in Form einer gedruckten Übersetzung in einer europäischen Sprache zugänglich. Der Inhalt der vier weiteren „Klassiker“ war lediglich in Auszügen und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.