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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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Ästhetische Transformationen der Antike: „Der Tempel der wahren Dichtkunst“ und die „Freundschaftlichen Lieder“ im Kontext Halles (Charlotte Kurbjuhn / Steffen Martus)

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CHARLOTTE KURBJUHN, STEFFEN MARTUS

Ästhetische Transformationen der Antike:

„Der Tempel der wahren Dichtkunst“ und die

„Freundschaftlichen Lieder“ im Kontext Halles

Halle, seit 1694 Sitz einer protestantischen Reformuniversität und zugleich wesentlich geprägt von August Hermann Franckes Stiftungen als Verbreitungsort pietistischen Gedankenguts, war im 18. Jahrhundert ein in sich spannungsvolles kulturelles Zentrum.1 Obwohl die strikte Auslegung der Adiaphora-Lehre außer den pietistischen collegia pietatis gesellige Veranstaltungen eigentlich verurteilte, wurde dort 1734 eine Gesellschaft zur Beförderung der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit begründet, an der auch Samuel Gotthold Lange beteiligt war:2 der Sohn des konservativen Pietisten Joachim Lange, der sich im Streit um die ‚Sineser-Rede‘ als Kontrahent Christian Wolffs profiliert hatte. 1735 wurde Immanuel Jakob Pyra in die Gesellschaft aufgenommen.3 Er bildete in den Folgejahren gemeinsam mit Lange als emphatisches Freundschaftspaar das Zentrum des sogenannten „Ersten Halleschen Dichterkreises“.4 ← 233 | 234 →

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