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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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Wirtshausschild gegen Kriegerschild Die alternative Kulturtopographie der Antike in der Wiener Aufklärung – exemplifiziert an Aloys Blumauers „Virgils Aeneis, travestirt“ (Norbert Christian Wolf)

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NORBERT CHRISTIAN WOLF

Wirtshausschild gegen Kriegerschild

Die alternative Kulturtopographie der Antike in der Wiener Aufklärung – exemplifiziert an Aloys Blumauers „Virgils Aeneis, travestirt“

Die Opposition, ja Konkurrenz zwischen griechischer und römischer Antike zählt in der deutschen Aufklärung zum topologischen und topographischen Grundinventar, dessen Allgegenwart in älteren Traditionen und Überlieferungssträngen gründet, die nicht zuletzt mit dem (spät-)antiken Reichsgedanken zusammenhängen. In seiner Überblicksdarstellung zur Antikerezeption in der deutschen Literatur konstatierte Volker Riedel für das 18. Jahrhundert allerdings den „Zerfall einer jahrhundertealten, von der Intention her auf das Römische Reich zurückgehenden politischen Ordnung“ sowie eine neue „Orientierung an nationalen Traditionen“, mit der im literarischen Schaffen um 1800 eine spürbare „Abwendung von den traditionellen antiken Leitbildern“ einhergehe.1 Im Kontext dieser Entwicklung bzw. ihr sogar vorauseilend habe sich in Deutschland im Verlauf des 18. Jahrhunderts „der Schwerpunkt der Antikerezeption von Rom, das in der gesamten bisherigen Rezeptionstradition dominiert hatte, auf Griechenland“ verlagert.2

Dieser Befund bestätigt sich zwar in einer von Lessing bis Hegel reichenden Traditionslinie (I.), gilt jedoch nicht für alle Gebiete des deutschen Sprachraums und nicht einmal für alle deutschsprachigen Territorien innerhalb des Heiligen Römischen Reichs gleichermaßen, wie im Folgenden zunächst skizzenhaft umrissen (II.) und sodann an einem charakteristischen Beispiel veranschaulicht (III.) werden soll. ← 299 | 300 →

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