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Simpliciana XXXVIII (2016)

Series:

Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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Schuld und Sühne in Schriftstellerautobiographien des 17. Jahrhunderts: Johann Valentin Andreae und Johann Beer (Dirk Werle)

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DIRK WERLE (Heidelberg)

Schuld und Sühne in Schriftstellerautobiographien des 17. Jahrhunderts: Johann Valentin Andreae und Johann Beer

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausens Simplicissimus ist eine Bekehrungsgeschichte und Lebensbeichte; ein autobiographischer Bericht eines Ich-Erzählers, der aus der Rückschau das eigene Leben in eine kohärente Geschichte überführt, in der die Erfahrungen des Schuldigwerdens, der Bekehrung und der anschließenden Sühne eine zentrale Rolle spielen. Interessiert man sich ausgehend von Grimmelshausens Schuld-und-Sühne-Erzählung allgemein für Erzählungen von Schuld und Sühne in der frühen Neuzeit, dann liegt es nahe, sich auch nicht-autobiographischen Texten zu widmen. Das europäisch dimensionierte Genre der Autobiographie wird häufig auf einen wirkungsmächtigen Prototyp zurückgeführt, nämlich auf Augustins Confessiones. In dieser Selberlebensbeschreibung bilden bekanntlich Schuld und Sühne ein dominantes Thema, das sich in der zentralen Szene der Konversion verdichtet.1 Man könnte also vermuten, dass Grimmelshausens fiktionale Autobiographie einer fiktiven Figur gattungsgeschichtlich an Darstellungsmuster andockt, die durch die Gattungstradition nicht-fiktionaler Autobiographien realer Personen vorgegeben waren. Ob sich diese Vermutung belegen lässt, möchte ich dahingestellt sein lassen; vielleicht lassen sich auch im 17. Jahrhundert autobiographische Texte finden, in denen das augustinische Erzählschema wiederkehrt. Mit Blick auf die beiden berühmten Beispiele deutscher Schriftstellerautobiographien des 17. Jahrhunderts, die im Folgenden diskutiert werden sollen, wird sich die Vermutung eines Zusammenhangs zwischen fiktionalen und autobiographischen Erzählschemata aber nicht belegen lassen: Weder Johann Valentin Andreaes ← 329 | 330 → Vita noch Johann...

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