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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Edited By Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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„Geisterphotos von der Wirklichkeit“. Courasches Fortleben bei Werner Fritsch (Dieter Martin)

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DIETER MARTIN (Freiburg)

„Geisterphotos von der Wirklichkeit“. Courasches Fortleben bei Werner Fritsch

Grimmelshausens Courasche, die „starke Frau der deutschen Literatur“1, lebt auch im 21. Jahrhundert weiter. Ihre Vitalität beweisen zuletzt zwei von der Grimmelshausen-Forschung bislang nicht beachtete Werke des deutschen Dramatikers und Hörspielautors, Romanciers und Filmemachers Werner Fritsch (*1960).2 In beiden Fällen – dem 2003 am Landestheater Linz uraufgeführten und 2004 gedruckten Stück Schwejk?3 und dem zuerst 2003 vom Südwestrundfunk Baden-Baden im Radio gesendeten und 2005 für das Bayerische Staatsschauspiel ← 519 | 520 → szenisch umgearbeiteten Monolog Das Rad des Glücks, der 2008 als Film produziert und schließlich 2016 erstmals gedruckt wurde4 – ist Courasch(e)5 eine Roma-Frau, die das KZ überlebt. Während sie in Schwejk? als bedeutsamste Nebenfigur fungiert, die in einer chronologisch fortschreitenden Szenenfolge historisch weit gespannte Stationen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts durchläuft, erzählt sie in Das Rad des Glücks rückblickend Episoden aus ihrem bewegten Leben. Um zu bestimmen, inwiefern Fritschs Figuren als moderne Wiedergängerinnen von Grimmelshausens Courasche gelten dürfen, werden die beiden Werke zunächst einzeln vorgestellt und abschließend knapp als Rezeptionszeugnisse des gegenwärtigen Erinnerungstheaters gewürdigt.

1.    Schwejk?

Fritschs Schwejk? folgt einer offenen Dramaturgie. Gerahmt von einem Vor- und einem Nachspiel – beide Sequenzen spielen „Jenseits des Todes“ auf einem „Friedhof der Fernseher“ (S. 13–15 und S. 104–105)6 und stehen außerhalb der sonst herrschenden Zeitfolge...

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