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Wolf von Niebelschütz – Essays zu Leben und Werk

Dominik Riedo

Wolf von Niebelschütz (1913–1960) erzielte erst nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Durchbruch als Schriftsteller. Sein Nachruhm übertrifft allerdings die Beachtung zu Lebzeiten noch und gründet sich auf die beiden Hauptwerke, den Barockroman «Der Blaue Kammerherr» (1949) und den Mittelalterroman «Die Kinder der Finsternis» (1959). Diese Sammlung von Essays über den Autor dient einerseits als Ergänzung zur Biographie (Peter Lang 2013), andererseits legt sie mit darüber hinausweisenden Themen neue Forschungsergebnisse vor. Vor allem das Schreiben in der Zeit des Nationalsozialismus und der frühen Nachkriegsjahre werden intensiver beleuchtet, aber auch spezifischere Punkte wie die Gestaltung der Buchcovers, die Sexualität oder das Verhältnis von Tradition und Innovation im Leben und in den Texten. Die Aufsätze zu den wirtschaftshistorischen Schriften wie auch zum Mittelalterroman gründen überdies auf neuem Archivmaterial beziehungsweise neuen Erkenntnissen. Der Anhang enthält zudem eine aktualisierte Bibliographie.

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Gib mir das Paradies

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Eine ins Auge springende Parodie ist heute gar nicht mehr schreibbar. Selbst wenn man alles überzeichnete: Kaum ist das Buch geschrieben und gedruckt, man schaut kurz hinein und will loslachen … – so hat die Realität ringsum das Beschriebene schon längst eingeholt, und die Tränen kommen einem darüber, welch Leben empfindsame Naturen hier fristen müssen.

Wolf von Niebelschütz hat das von klein auf gespürt und seine Romanhandlungen in Welten verlegt, die unseren gar nicht mehr direkt gleichen, in denen alles ‹abgehoben› scheint und ‹anders›. Das sind protzige Worte. Doch das alte Klischee, dass ein wahres Kunstwerk den Schmerz der Welt aufheben solle, indem es eine bessere Welt als jene außerhalb der Buchdeckel nicht (nur) zeigt, sondern sie als möglichst perfekt gefügte verwirklicht, ohne dass man dem Ergebnis die Mühe anmerkte – bei diesem Adelssohn aus gebildetem Haus ist es hier geheimnisvollerweise mehr als gelungen.

Denn ein handwerklich streng aufgebautes Buch wie «Ulysses», auch wenn es noch so gut ist …? Das ist als eifriger Schriftsteller durchaus erreichbar. Aber ein anscheinend ‹überirdisches› Werk wie Mahlers «Lied von der Erde» oder Mozarts ‹Feuer- und Wasserfuge›? – Keine Chance. Neidlos schaut man auf diese Wunderkreaturen der Kunst und ist einfach nur froh, sie im rezipierenden Nachvollzug genießen zu dürfen …

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