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Wolf von Niebelschütz – Essays zu Leben und Werk

Dominik Riedo

Wolf von Niebelschütz (1913–1960) erzielte erst nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Durchbruch als Schriftsteller. Sein Nachruhm übertrifft allerdings die Beachtung zu Lebzeiten noch und gründet sich auf die beiden Hauptwerke, den Barockroman «Der Blaue Kammerherr» (1949) und den Mittelalterroman «Die Kinder der Finsternis» (1959). Diese Sammlung von Essays über den Autor dient einerseits als Ergänzung zur Biographie (Peter Lang 2013), andererseits legt sie mit darüber hinausweisenden Themen neue Forschungsergebnisse vor. Vor allem das Schreiben in der Zeit des Nationalsozialismus und der frühen Nachkriegsjahre werden intensiver beleuchtet, aber auch spezifischere Punkte wie die Gestaltung der Buchcovers, die Sexualität oder das Verhältnis von Tradition und Innovation im Leben und in den Texten. Die Aufsätze zu den wirtschaftshistorischen Schriften wie auch zum Mittelalterroman gründen überdies auf neuem Archivmaterial beziehungsweise neuen Erkenntnissen. Der Anhang enthält zudem eine aktualisierte Bibliographie.

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Rezensionen I und II

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Hineingeboren ins Berlin vor dem Ersten Weltkrieg, wo die Kriegseuphorie 1913 bereits miasmatisch in der Luft lag; von einem Militärpfarrer auf die Zweit- resp. Drittnamen ‹Friedrich Magnus› getauft, weil er am selben Kalendertag zur Welt gekommen ist wie ehemals Friedrich der Große, König der Preußen; die Stammlinie der schlesisch-böhmischen Familie im ‹Herrenstand› konnte bis 1289 zurückverfolgt werden, weswegen man sich stolz ‹Uradel› nannte, obwohl seit Längerem verarmt; der eigene Vater diente Jahrzehnte als Offizier und brachte diese Haltung auch in die Familie ein, wo die Kinder sogar nach einem pedantischen Zeitplan gestillt wurden (Zitat der Mutter aus ihren Erinnerungen: «[Erst b]eim 6. Kind wandte ich diese Gewaltmethode des nächtlichen Hungerns nicht [mehr] an und kam nach einiger Zeit zu dem gleichen Ziel, ohne das Kind so zu schinden.»); ein Studium der Geschichte in Wien muss der junge Mann nach nur einem Semester aus Geldnot abbrechen; seine Ausbildung zum Zeitungs-Redakteur und die Ausübung des Berufs fallen ausgerechnet in die Zeit des Nationalsozialismus und der immer rigoroseren Pressegesetze; nach der Heirat mit einer ‹Unadligen› verweigert der ältere Bruder jeglichen Kontakt, da eine solche «Proletarisierung der Familie» das «soziale Fortkommen» und den «innere[n] Zusammenhalt im Rahmen des naturgegebenen Standes» nicht mehr gewährleisten könne; ab 1940 dient der frischgebackene Poet, dessen erstes Buch – ein Lyrikband – knapp ein Jahr zuvor erschienen ist, gezwungenermaßen fünf Jahre in der Wehrmacht; und schließlich bleiben nach dem Zweiten Weltkrieg gerade einmal...

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