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Kulturbegegnung und Kulturkonflikt im (post-)kolonialen Kriminalroman

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Michaela Holdenried, Barbara Korte and Carlotta von Maltzan

Kriminalliteratur bietet seit längerem ein Forum für die Behandlung schon ‚klassischer‘ postkolonialer Themen. So lassen sich die ProtagonistInnen vielfach als hybride Subjekte beschreiben, und die Suche nach ‚historischer Wahrheit‘ bedarf einer anderen Substruktion als der einfachen Antithetik von Gut und Böse. Darüber hinaus sind die im Verschwinden begriffenen ehemals klar getrennten kolonialen Räume in postkolonialer Kriminalliteratur zwar solche des Kulturkonflikts; die ‚liminalen‘ Räume, die Kontaktzonen, mutieren aber keineswegs ersatzweise zu idyllischen Orten: Vielmehr sind sie gegen Konflikte ebenso wenig gefeit. Kriminalliteratur ist daher ein ideales Labor für postkoloniale Narrative, die Elemente postmoderner Ästhetik mit einem starken Interesse an sozialen Ungleichgewichten verbinden.
Der Band versammelt zwölf auf Deutsch und Englisch verfasste wissenschaftliche Beiträge zum postkolonialen Kriminalroman sowie ein Interview mit dem südafrikanischen Krimiautor Deon Meyer.

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Vorwort

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Im März 2016 fand im südafrikanischen Stellenbosch ein von uns organisiertes Symposium statt, das sich mit dem Kriminalroman als Austragungsort von Kulturkonflikten, aber auch als Medium der Darstellung von Kulturbegegnungen beschäftigte.1 So erörterten die TeilnehmerInnen die spezifische Relevanz des Genres für die Verhandlung von Fragen, die sich aus den zahlreichen Kontaktzonen der (post-)kolonialen, globalisierten und nicht zuletzt durch Migration zunehmend transkulturellen Wirklichkeit ergeben. Ihre Beiträge, die durchweg erheblich ergänzt und überarbeitet wurden, versammelt der vorliegende Band. Bereichert wurde das Symposium durch die großzügige Zusage des südafrikanischen Krimi-Bestseller-Autors Deon Meyer, zu einer Lesung mit Diskussion an die Stellenboscher Universität zu kommen.

Der Kriminalroman hat in den letzten Jahrzehnten in den Literaturwissenschaften eine enorme Aufwertung erfahren. Schon immer haben AutorInnen der populären Literatur in diesem Genre reüssiert, deren literarische Meriten außer Zweifel stehen (etwa Agatha Christie, Patricia Highsmith und Raymond Chandler, um nur einige wenige zu nennen). Auch zahlreiche VertreterInnen der E-Literatur haben sich des Kriminalromans angenommen (hingewiesen sei nur auf Friedrich Dürrenmatt oder Wolfgang Herrndorf) und ihn deutlich verändert. Derzeit ist das Genre erfolgreicher denn je – und anpassungsfähiger als fast jedes andere. Im Kriminalroman (aber selbstverständlich auch in anderen, etwa filmischen, Realisierungen der crime fiction) werden heutzutage Themen komplexester Art verhandelt. Zur Sprache kommen aktuelle Problemlagen, deren je spezifische Narrativierung als Kommentar zu geschichtlichen (Fehl-)Entwicklungen oder auch als eine Art Probehandeln in Bezug auf drängendstes Gegenwartsgeschehen...

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