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«Das finde ich etwas (.) ja schon etwas sehr Spezielles, auch sehr persönlich.»

Narrative Intimität in öffentlicher Selbstthematisierung

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Marianne Bosshard

Intime Öffentlichkeiten prägen unseren Alltag. Sei es in sozialen Netzwerken, in Radio und Fernsehen oder in Buchform: Das zuweilen sehr persönliche Erzählen aus dem eigenen Leben ist populär. Doch wie kommt hierbei Intimität zustande? Exemplarisch an drei Erzählformaten aus dem Schweizer Radio und Fernsehen zeigt die Studie auf, wie und mit welchen Funktionen Intimität in der Interaktion kommunikativ angezeigt bzw. hergestellt wird. Der Fokus liegt dabei auf ihrer narrativen Durchformung, zu der ein Mix an Erzählmustern ebenso zählt wie ein grundsätzliches Spiel mit Sichtbarkeiten. Kulturwissenschaftlich eingebettet, leistet die vorliegende Positionierungsanalyse von Selbstthematisierungen in öffentlich-medialen Kontexten einen Beitrag zur Debatte um Privatheit und Öffentlichkeit und bietet mit einem narrativen Verständnis von Intimität eine Grundlage für deren Erforschung in weiteren Zusammenhängen.

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3. Geschichten als kommunikative Möglichkeitsräume

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3.1. Das Medienformat

Medien haben die Geschichte der Privatheit stets begleitet und damit indirekt auch jene der Intimität. So wurde Privatheit doch lange – und wird auch heute noch vielfach – als Bedingung für Intimität angesehen. Wurde dieser Zusammenhang bereits in Kapitel 2.5 umrissen und gelockert, möchte ich die folgenden Seiten den medialen Kontexten widmen, die immer einen Einfluss auf Kommunikation ausüben. So lässt sich grundsätzlich festhalten, dass „Veränderungen in den historisch jeweils verfügbaren Medien und den technischen Grundlagen […] einen kommunikativen Möglichkeitsraum“ eröffnen (Bucher/Gloning/Lehnen 2010: 9). So banal diese Aussage klingen mag, so wichtig ist sie für die Konstruktion von Intimität. Denn von expressivem Charakter, spielt sich Intimität innerhalb dieser kommunikativen, medialen Möglichkeitsräume ab. Die technischen Beschränkungen können dabei zwar Grenzen in der Kommunikation, müssen jedoch keineswegs Grenzen im Ausdruck bedeuten, sondern mögen sogar zu sprachlicher Kreativität anregen. Für die Konstruktion von Intimität kann diese gar nützlich sein, nicht zuletzt deshalb, weil sich doch durch die sprachliche Kreativität das subjektiv Individuelle einer Beziehung im kommunikativen Austausch äussern kann.49 So hält denn auch Bublitz fest:

„Zwar konstituiert sich das Subjekt im Rahmen einer spezifischen Medialität des Darstellens, die ihm mit dem Eintritt in die Ordnung des Zeigens bestimmte Formen der visuellen oder narrativen (Selbst-)Präsentation vorgibt, aber sie stellt keineswegs nur auf die Kontrolle und Einengung des Individuums ab,...

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