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Pure Leiblichkeit

Brasiliens Neokonkretismus (1957-1967)

Pauline Bachmann

Seit einiger Zeit ist Brasiliens Neokonkretismus in Ausstellungen, Katalogen und Publikationen in Europa präsent. Die Autorin nimmt erstmals auf Deutsch umfassende Werkanalysen vor und stellt den Schlüsselcharakter der neokonkreten Praktiken dar. Die Kunst- und Lyrikproduktion der Bewegung führte, so die Autorin, zu einer Umwertung und Neuauslegung des konkret-konstruktivistischen Gedankenguts der europäischen Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts. Diese Umwertungen schufen in Brasilien erst die Voraussetzungen dafür, haptische und sensorielle Komponenten ästhetischen Erlebens zum zentralen Ausgangspunkt künstlerischer Praxis zu erheben, für welche die späteren Arbeiten der brasilianischen Avantgarde-Ikonen Lygia Clark und Hélio Oiticica bekannt sind. Die Arbeit ist ein wichtiger Beitrag dazu, moderne und zeitgenössische künstlerische Praktiken aus Brasilien zu dekolonisieren, denn die Analysen zeigen auf, dass haptisch und plurisensoriell erfahrbare Kunstwerke aus Brasilien eben nicht auf einer angenommenen genuin sensorisch-sensiblen Konstituierung des Menschen in Brasilien beruhen, sondern vielmehr auf einer eigenwilligen, lokalen Rezeption europäischer Avantgardepraktiken.

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

1.1 Theoretisch-methodische Zugänge

1.2 Forschungsstand

1.3 Struktur

I. DER GEIST UND DIE GEISTER DES KONSTRUKTIVISMUS

2 Historische Konstellationen: Konkret-Konstruktivistisches in der Achse Rio de Janeiro – São Paulo (1948–1959)

2.1 Institutionalisierung und Abstraktion

2.2 Max Bill: Zur Dekonstruktion eines Mythos

2.3 Lokale Konfigurationen des Konkreten

Die Modernos Argentinos

Mário Pedrosa

Frente und Ruptura – Disput über die wahre konkrete Kunst

Neoconcretismo

2.4 Konklusion

II. BESITZEN UND (BE)SETZEN: RAUM

3 Das Prinzip der (Ent-)Faltung: Raum/Zeit und Erfahrung

3.1 Form als Verhältnis und Zwischenraum: Das Formverständnis von Lygia Clark und Hélio Oiticica

Lygia Clark: Quebra da moldura/Planos

Hélio Oiticica: Invenções und Metaesquemas

3.2 Vom Falten und Einschneiden: Raum als Kategorie leiblicher Erfahrbarkeit

3.2.1 Hélio Oiticia: Relevos Espaciais

Hélio Oiticica: Grande Núcleo

Exkurs: Kasimir Malevich

Exkurs: Piet Mondrian

Exkurs: El Lissitzky

Hélio Oiticica: Núcleos II

3.2.2 Lygia Clark: Contra-Relevos und Casulos

Exkurs: Tatlin

Casulos

3.2.3 Lygia Pape: Tecelares

Lygia Pape: Livro do tempo – ausgefaltete Zeit

Lygia Pape: Balés Neoconcretos

3.3 Konklusion

4 Wandelbare Wände – affektive Raumstrukturen bei Lygia Clark und Hélio Oiticica

4.1 Lygia Clark – Vom architektonischen Grundmodul zum Menschen

Maquete para interior und Construa você mesmo o seu espaço para viver

Arquitetura fantástica Bichos

A casa do poeta – Abrigo poético

Estruturas de caixas de fósforos

Arquiteturas biologicas

4.2 Hélio Oiticica: Das moderne Labyrinth – Labyrinth der Moderne?

Projeto Cães de caça

Bólides

4.3 Konklusion

III. MITTEL UND VERMITTLUNG: SPRACHE ZWISCHEN GEIST, MATERIE UND RAUM

5 Haptik und Text: Neokonkretismus zwischen den Disziplinen

5.1 Symbole begreifen, Begriffe symbolisieren

5.1.1 Sprache und Objekt

5.1.2 Das Buch als Ort künstlerischer Praxis

5.1.3 Kisten und Kästen

5.2 Der Leib und der White Cube – kulturelle Kodierungen ästhetischer Erfahrbarkeit

5.2.1 Die neokonkreten Ausstellungen 1959–1961

5.2.2 Der Umgang der Künstler mit taktiler Erfahrbarkeit

5.3 Konklusion

6 Leibliche Haptik, sprachliche Semantik und Konstruktivismus: vontade construtiva und arte concreta semântica

6.1 Gullar und Oiticica – unterschiedliche Wege zur arte engajada

6.2 Zwei Hommagen: Mondrian und Cara de Cavalo

6.3 Nova Objetividade Brasileira: vontade construtiva

6.4 Waldemar Cordeiro und die arte concreta semântica

6.4.1 Cordeiro und Oiticica: Intentionalität vs. Platzierung in der Welt

Popcreto para um popcrítico

Rebolando

Amar(go) und Texto Aberto

6.5 Konklusion

7 Schlussbetrachtungen

7.1 Ausblick

Literatur

Abbildungsverzeichnis