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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Cambridge 2017

Natur, Technik und das (Post-)Humane in den Schriften Alfred Döblins

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Edited By Steffan Davies and David Midgley

Das Verhältnis Mensch – Natur und das Leben in einer technisierten Welt sind Themenbereiche, die Alfred Döblin in seinen Erzählwerken und Essays immer wieder – und in mannigfaltigen Beziehungen – erkundet hat. Die hier versammelten Beiträge bieten neue Einsichten in die Entwicklung von Döblins Natur- und Weltauffassung. Sie befassen sich mit seiner Aufarbeitung der mit der Technik verbundenen Wissenskultur und sozialer Praxis, mit den Beziehungen zwischen seiner Thematik und aktuellen Erörterungen des ‚Posthumanen’ sowie mit Aspekten seiner Erzählpraxis und ethischen Orientierung, die mit diesen Themen verbunden sind. Der Band dokumentiert das 21. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2017 zum Thema „Natur, Technik und das (Post-)Humane in den Schriften Alfred Döblins" in Cambridge, England, tagte.

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Karsten Uhl: Reuleaux und das Ende der Gelehrtenkultur: Technokratisches Wissen in den Berlin-Texten Döblins

Reuleaux und das Ende der Gelehrtenkultur: Technokratisches Wissen in den Berlin-Texten Döblins

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Karsten Uhl

Abstract: Die frühen Berlin-Texte Döblins (die Romane Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine und Berlin Alexanderplatz sowie die Erzählung Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord) sind geprägt vom Verhältnis zwischen der menschlichen Natur und der technisierten Großstadt. Eine wichtige Rolle nimmt dabei das technokratische Wissen ein: Döblin spiegelt in diesen Texten einen wesentlichen Umbruch in der Struktur des zeitgenössischen Wissens und verarbeitet ihn literarisch. Zum einen stellt Döblin aus, wie gelehrte Experten (Ingenieure, Mediziner, Juristen) auf Menschen und ihre technisierte Umwelt zugreifen und dabei häufig scheitern, weil sie der Wissenskultur des 19. Jahrhunderts verhaftet bleiben. Zum anderen sind Döblins Texte von einem neuen Expertenwissen der Praktiker geprägt. Es kann gezeigt werden, inwiefern Döblin einerseits gewisse zeitgenössische Positionen subvertiert, sich andererseits aber nicht vollständig vom technokratischen Diskurs lösen kann. Gleichwohl etabliert er in seinen Texten das Prinzip des Zweifels und stellt die generelle Unsicherheit des Wissens aus.

Keywords: Franz Reuleaux, Robert Heindl, Kriminologie, Ingenieurwissenschaften, Technokratie, Wissensgeschichte

In Döblins 1918 erschienenem Roman Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine, der immer noch als „ein Stiefkind der Döblin-Forschung“ gelten muss,1 gibt es eine Szene, die zunächst recht beiläufig anmutet. Die Lokomobil- und Dampfmaschinenfabrik des Berliner Ingenieurs und Unternehmers Wadzek ist durch die technische Innovation der Dampfturbine und insbesondere durch seinen Konkurrenten, den Turbinenfabrikanten Rommel, der sich anschickt, Wadzeks Firma aufzukaufen, bedroht. Um Gegenmaßnahmen gegen diese Bedrohung...

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