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Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken

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Edited By Florian Gassner and Nikola Roßbach

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Diskursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu verschiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

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Sebastian Franck und die lutherische Orthodoxie (Jessica Bauer)

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Jessica Bauer

Abstract: Die Forschung beschreibt Sebastian Franck als einen vielfach aufgeklärten Geist, der mit seinen Schriften für mehr Toleranz und Religionsfreiheit kämpfte. Seine scharfe unverhohlene Ausdrucksweise funktioniert dabei als erkenntnisförderndes Instrument. Ausschlag für Zensur- und Verfolgungsmaßnahmen gibt sein Hauptwerk, die Chronica, Zeÿtbůch vnd geschÿchtbibel von 1531. In ihr treten seine kritische Einstellung zu politischen und kirchlichen Obrigkeiten deutlich hervor. Dabei weist der vielgelesene Autor auf eine Zerrissenheit der Reformationsbewegung hin, die durch die Entwicklung einer lutherischen Orthodoxie ihren Erneuerungsanspruch verloren hat. Das Beschreiten neuer Glaubenswege sei so de facto nicht möglich. Dies bezeugt auch der gut ausgebildete Zensurapparat in den Reformationsstädten – nichtlutherische reformatorische Schriften dürfen nicht gedruckt werden, sei es aus religiöser Überzeugung, Angst vor sozialen Unruhen oder dem langen Arm des Kaisers.

Keywords: Sebastian Franck, Chronik, Zensur, Reformation, Orthodoxie, Täuferbewegung, Ketzertum

Die religiöse Toleranz war dem Protestantismus im Grund nicht weniger fremd als dem Katholizismus. (Arnd Müller)

Einen regelrechten Verbannungsweg erlebten der Theologe und ehemalige Geistliche Sebastian Franck (1499–1542) und seine Familie – die Entscheidung des Vaters von fünf Kindern, als freier Schriftsteller arbeiten und frei schreiben zu wollen, hatte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ernste Konsequenzen. Auch wenn der voraussichtige Mann Vorkehrungen traf, um nicht ins lebensbedrohliche Kreuzfeuer zu geraten, so war er doch die meiste Zeit seines Lebens „angreifbar und ungeschützt“.1 „Franck schrieb ←109 | 110→und...

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