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Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken

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Edited By Florian Gassner and Nikola Roßbach

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Diskursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu verschiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

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Verzeichnisse imaginärer Bücher: Eine die Zensur unterlaufende Publikationsstrategie im 17. Jahrhundert am Beispiel der anonymen Flugschrift Aus des nach dem Parnassus eilenden MERCURII Fell-Eisen communicirte Curiositäten (1697) (Antonius Baehr / Frédérique Renno)

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Antonius Baehr und Frédérique Renno

Abstract: Der gemeinschaftliche Beitrag widmet sich der übergeordneten Fragestellung nach der Wirksamkeit von Zensur im vormodernen Literaturbetrieb. Mit fingierten Bücherverzeichnissen rückt ein wenig beachtetes zensurkritisches Publikationsverfahren und das dahinterstehende poetische Konzept ins Blickfeld, welches im 17. Jahrhundert verstärkt als Strategie gegen politische Zensur verwendet wurde. Anhand der anonymen Flugschrift Aus des nach dem Parnassus eilenden MERCURII Fell-Eisen communicirte Curiositäten/ […] Nebst beygefügtem CATALOGO Oder Verzeichniß allerhand raren Schrifften und Tractatgen/ die besagter Mercurius zur Censur nach dem Parnassus überbringen sollen (1697) werden Tradition, Wirkung und Faktur fingierter Bücherkataloge veranschaulicht, um die vorgestellte poetische Praxis im europäischen Raum zu kontextualisieren. Ziel dieses Beitrags ist es, mit den Bücherverzeichnissen eine poetische Strategie gegen die Zensur vorzustellen, um exemplarisch die indirekte Zensurkritik im Literaturbetrieb des 17. Jahrhunderts nachzuzeichnen.

Keywords: Zensur, fingierte Bücherverzeichnisse, Flugschrift, Vormoderne, antifranzösische Publizistik, Verzeichnisse imaginärer Bücher

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) prägt die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts maßgeblich und noch in den Dezennien nach dem Westfälischen Frieden (1648) unterliegen viele europäische Regionen gewaltvollen Auseinandersetzungen. Auch der Literaturbetrieb bleibt davon nicht verschont, gilt die Zensur in den sich entwickelnden Feudalsystemen Europas doch als bedeutendes Machtinstrument, mit dem „die Produktion, Publikation, Zugänglichkeit und selbst die Rezeption von Büchern durchgreifend in vorher nie gekannter Weise“1 ←137 | 138→gesteuert wird, um die Gesellschaft und insbesondere die Opposition zu unterdr...

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