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Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken

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Edited By Florian Gassner and Nikola Roßbach

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Diskursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu verschiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

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Vom Index zum Algorithmus – Medienkontrolle in Zeiten medialer Revolutionen (Ursula Paintner)

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Ursula Paintner

Abstract: Der Beitrag betrachtet Digitalisierung unter dem Aspekt der Medienrevolution und zieht Parallelen zur Entwicklung der medialen Öffentlichkeit nach der Erfindung des Buchdrucks. Ein gesteigertes Tempo der Nachrichtenübermittlung, eine erheblich höhere Partizipation sowie eine damit einhergehende Verunsicherung in Bezug auf mögliche Risiken sind charakteristisch für beide Epochen. Kirchliche bzw. weltliche Autoritäten reagieren jeweils mit dem Versuch, die neuen Medien zu kontrollieren und damit zum einen die Verbreitung unerwünschter Inhalte einzudämmen, zum anderen aber auch Orientierung angesichts der skizzierten Verunsicherung zu geben. Anhand eines Vergleichs der römischen Indexgesetzgebung des 16. Jahrhunderts und des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland analysiert der Beitrag Ähnlichkeiten und Unterschiede dieser ‚obrigkeitlichen‘ Reaktionen an der Grenze zwischen Medienkontrolle und Zensur.

Keywords: Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Index der verbotenen Bücher, Medienrevolution, Digitalisierung, soziale Netzwerke, Orientierung, Medienkontrolle

Medienkontrolle, zunächst mit dem Ziel, die vermeintlich leichtgläubige und verführbare Öffentlichkeit vor dem Einfluss ‚verderblicher‘ Schriften zu schützen, gilt der Frühen Neuzeit übereinstimmend als Notwendigkeit.1 Dissens herrscht vor dem Hintergrund der seit 1517 sich entwickelnden und sich spätestens 1555 verfestigenden konfessionellen Spaltung allenfalls in Hinblick auf die Frage, welche Bücher als verderblich zu bewerten und damit zu verbieten sind, und eventuell noch mit Blick auf die Zensurmethoden.2 Dass der ‚Schutz der Öffentlichkeit‘ zugleich auch immer eine Einschränkung sowohl ←217 | 218→für die Produzenten als auch die Rezipienten von Medien und medial vermittelten Inhalten bedeutet, dass der Versuch der Lenkung schnell...

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