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Simpliciana XLII (2020)

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Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

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Der Schäfer will ein Kriegsmann werden. Wilhelm Raabes Erzählung Der Marsch nach Hause (1869–1870) – mit Grimmelshausen gelesen

Der Schäfer will ein Kriegsmann werden. Wilhelm Raabes Erzählung Der Marsch nach Hause (1869–1870) – mit Grimmelshausen gelesen

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HANS-JOACHIM JAKOB (Siegen)

Es war die Zeit der großen Gärung, die Zeit des Zersetzungsprozesses, der später seine Krisis im Dreißigjährigen Krieg fand, in welchem der morsche Bau des Mittelalters krachend zusammenbrach, damit aus der Blut- und Schmutzpfütze, aus dem gebirghohen Trümmerhaufen eine andere Welt mit andern Anschauungen sich erheben könne. – –

Wilhelm Raabe: Der heilige Born (1861)

Ob Wilhelm Raabe jemals Texte von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen, z. B. die Romane Simplicissimus Teutsch oder Der seltzame Springinsfeld, gelesen hat? Wenn ja – wie ist er an die Werke des simplicianischen Autors herangekommen? Gibt es valide Anhaltspunkte für eine nachhaltige Grimmelshausen-Rezeption Raabes? So nachhaltig, dass die barocken Texte mindestens als Inspirationsquellen für Figuren, Handlungskonstellationen und Schauplätze in Raabes eigenen Erzählprojekten gedient haben? Endgültigen Aufschluss über Raabes Grimmelshausen-Kenntnisse versprechen am ehesten die noch nicht edierten, handschriftlich überlieferten Tagebücher, die im Stadtarchiv Braunschweig aufbewahrt werden. Deren Durchsicht nach Informationen, die auf den Barockdichter hinweisen könnten, wäre eine anspruchsvolle archivalische und graphologische Aufgabe.

In Raabes frühem und mittlerem Werk ist die wiederkehrende Beschäftigung mit dem Dreißigjährigen Krieg auffällig, wenn auch offensichtliche Verbindungen mit Grimmelshausens spezifischer Form der Kriegsnarration nicht auszumachen sind.1 Vordergründig erscheint z. B. Raabes Erzählung Lorenz Scheibenhart (1858) wie eine Anlehnung an barocke Kriegsgeschichten – manifestiert in der Titelfigur, einem ←249 | 250→Schreiber und späteren Soldaten, der wie Springinsfeld an der Schlacht...

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