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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Saarbrücken 2009

Im Banne von Verdun. Literatur und Publizistik im deutschen Südwesten zum Ersten Weltkrieg von Alfred Döblin und seinen Zeitgenossen

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Edited By Ralf Bogner

Der Erste Weltkrieg ist eines der wichtigsten Themen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Jahrzehntelang beschäftigte er Schriftsteller, Journalisten, Drehbuchautoren und Publizisten. Von besonderem Interesse ist die künstlerische und publizistische Auseinandersetzung mit dem ‘Mythos Verdun’, der das sinnlose Hinschlachten ganzer Legionen im beinahe bewegungslosen Stellungskampf an der Westfront versinnbildlicht. In den Beiträgen dieses Bandes werden die verschiedensten Formen von Beschäftigung mit diesem Mythos während des Kriegs und kurz danach untersucht. Im Zentrum stehen Schriftsteller, die sich im deutschen Südwesten aufgehalten und gearbeitet bzw. in unterschiedlichen Funktionen gedient haben. Alfred Döblin, als Militärarzt in Saargemünd stationiert, spielt dabei eine besondere Rolle. Aber auch die Blickwinkel weiterer bekannter oder weitgehend vergessener Autoren auf die Kriegsgeschehnisse werden detailliert im historischen Kontext analysiert. Hinzu kommen kulturgeschichtliche Beiträge, etwa zum wilhelminischen Kriegsspielzeug oder zu Kriegsliedern der Zeit. Der Band dokumentiert die Ergebnisse des Internationalen Alfred-Döblin-Kolloquiums an der Universität des Saarlandes im Juni 2009.

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Spuren des Ersten Weltkriegs in Alfred Döblins Feuilletons der 1920er Jahre Von Liselotte Grevel 159

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Spuren des Ersten Weltkriegs in Alfred Döblins Feuilletons der 1920er Jahre Liselotte Grevel Die Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg nimmt in Alfred Döblins zahlreichen Feuilletonbeiträgen der 1920er Jahre eine weniger exponierte Stellung ein als in den Texten, die in der unmittelbaren Kriegszeit verfasst wurden. Diese Texte werden daher hier mit berücksichtigt. Döblin geht als Arzt und Schriftsteller an die Front, beide Berufe (oder Berufungen) bleiben bestimmend in seiner Einschätzung des Krieges. Seine Praxis an der Front und die Kriegserfahrung bewirken jedoch einen tiefgreifenden Wandel in Döblins Position, der sich grobgefasst in drei Phasen vollzieht: 1. von anfangs kargen, zum Teil ‚kriegsaufgeschlossenen‘ Stellungnah- men geht er am Ende des Krieges 2. zu heftiger Polemik gegen den Krieg über und entwickelt im Zusam- menhang damit 3. die theoretische Position eines pazifistischen „Naturalismus“, die er 1930 in einer Artikelserie als Offene Briefe an einen jungen Menschen1 kon- zipiert. 1. Als Zeugnis seiner Kriegsaufgeschlossenheit wird im Allgemeinen der bereits im August 1914 verfasste Artikel Reims2 betrachtet, der im Novem- ber des Jahres in der Neuen Rundschau erscheint. Döblins Verteidigung der deutschen Bombenangriffe auf die Reimser Kathedrale und die Polemik gegen „den größten Aussauger der Völker“3 England spiegeln die generatio- nenspezifische, durch die mediale Rhetorik der politischen Propaganda ver- breitete Vorstellung von der historischen und bis in den Ersten Weltkrieg andauernden Opferrolle des Zweiten Deutschen Reiches gegenüber den ausländischen Mächten. Einer der Hauptverantwortlichen ist hiernach das Kolonialreich England, dessen Kriegseintritt zudem...

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