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Beschreibung und Wahrnehmung des Fremden in der rabbinischen Literatur

Eine Interpretation anhand der Traktate Brachot, Schabbat, Jebamot und Sanhedrin

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Korbinian Spann

Oft entscheiden Äußerlichkeiten über unser Verhältnis zu Fremden. Zugleich erlaubt die sinnliche Wahrnehmung fremder Personen und Orte, Rückschlüsse auf die eigene Identität zu ziehen. Dies gilt auch für das Judentum und die jüdische Wahrnehmung. Während die Figur des Fremden im Alten Testament bereits einige Beachtung fand, wurde sie in der rabbinischen Literatur bisher kaum untersucht.
Diese Studie analysiert und vergleicht die Wahrnehmung und Beschreibung des Fremden in der rabbinischen Literatur. Dabei konzentriert sie sich auf die Traktate Brachot, Schabbat, Jebamot und Sanhedrin, um einen Einblick in die jeweilige Ordnung des Talmud zu geben. Grundlegende Fragen sind: In welchen Kontexten werden Fremdlinge thematisiert? Inwiefern gewährt deren Beschreibung einen Einblick in die Wahrnehmung der Autoren? Welche Selbstsicht der Autoren lässt sich der Auseinandersetzung mit dem Fremden entnehmen? Von besonderem Interesse ist, ob das Bild der Fremden im Talmud das Produkt der biblischen Exegese oder realistisch ist. Dafür werden bestimmte Bezeichnungen wie «Goy», «Ger» und «Noḥri» verglichen und deren Darstellung untersucht. Die Beschreibung des Fremden gewährt aufschlussreiche Einblicke in die sozialen Veränderungen Israels in der rabbinischen Epoche.

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III. Vergleich der Traktate Brachot, Schabbat, Jebamot und Sanhedrin 389

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389 III.Vergleich der Traktate Brachot, Schabbat, Jebamot und Sanhedrin Anhand der Traktate Brachot, Schabbat, Jebamot und Sanhedrin wurde ein repräsentativer Überblick über die Fremdbeschreibung der rabbinischen Literatur gegeben. Ausgehend von den knappen Darstellungen des Fremden in der Mischna wurden eine große Anzahl an Belegstellen im palästinischen und babylonischen Talmud aufgearbeitet.1 Die Belegstellen der Mischna ließen sich in den meisten Fällen in beiden Gemarot verfolgen. Dabei zeigte sich, dass sich in einigen Fällen der babylonische Talmud am Text der palästinischen Gemara orientiert. Die Abweichungen und Zusätze, die in der babylonischen Gemara hinzukommen, belegen die Entwicklung der Fremdbeschreibung. Von der Mischna bis zum palästinischen Talmud ist eine Entwicklung der Fremdbeschreibung festzustellen, die zum einen die Menge des Materials und zum anderen dessen Qualität betrifft. Durch die diachrone Einstufung der literarischen Motive und den Vergleich der beiden Textkörper liessen sich sowohl Unterschiede wie Gemeinsamkeiten heraus- arbeiten.2 Anhand verschiedener Themen ließ sich beweisen, dass es einen ge- wissen festen Bestand an Fremdbeschreibung in den Traktaten gibt. Diese Motive der Fremdbeschreibung reichen von der offenen Ablehnung bis zu Akzeptanz und Toleranz.3 Die Nähe Israels zu den Fremden und ihren Kulten führten in den Quellen aber auch zu Differenz und Distanz. Der 1 Die Belegstellen wurden möglichst umfassend vorgestellt. Im ganzen wurden nur wenige Belegstellen ausgelassen, um keine unnötige Redundanz zu erzeugen. Im Traktat Brachot wurden zwei Belegstellen ausgelassen; in Schabbat sechs, in Jebamot sechs, in Sanhedrin neun Belegstellen. 2 Hier...

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