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Ioannes Stomius, Prima Ad Musicen Instructio

Edition, Übersetzung, Kommentar

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Ulrike Baumann

Das 1537 herausgegebene Musiklehrbuch des Salzburger Pädagogen, Musiktheoretikers und Komponisten Johannes Stomius liegt erstmals als vollständige Edition samt Übersetzung, Notentranskription und Kommentar vor. Im Mittelpunkt steht die Erforschung der hervorstechenden Merkmale des bisher wenig bekannten Traktats. Stomius teilt offenbar den Gesang in «mollis» und «durus», eine für die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts sensationelle Definition und gibt dazu praktische Singanweisungen.
Zudem wird die Biographie des Autors, soweit es die Quellenlage zulässt, umfassend dargelegt. Die langjährige Unterrichtstätigkeit des Stomius in dessen Poetenschule gab den Anstoß, die Entwicklung des Schulwesens mit besonderer Berücksichtigung der humanistischen Musikpädagogik zu beleuchten und bringt überdies wertvolle Einblicke in das Salzburger Kultur- und Geistesleben des 16. Jahrhunderts.

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1 MusikundBildunginHumanismusundRenaissance 9

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9 1 MusikundBildunginHumanismusund Renaissance DieVorstellung einerWiedergeburtderAntikewurde fürdie Renaissance – Humanisten greifbar im Wiederentdecken der antiken Autoren. Das griechische und römische Schrifttum wurdenichtnurgelesen,kommentiertundübersetzt, sondern wurdezumkonkretenVorbildfürdieeigeneLebensführung. DamiteinhergehendwuchsfürdieHumanistendieBedeu tungvonGrammatikundRhetorik.Amherrschenden, fürdie HumanistenüberaltertenundlängstüberholtenWissenschafts betriebkritisiertendiesevorallemdenRückgangderBeschäfti gung mit diesen beiden Disziplinen und intensivierten im Gegensatz dazu das Studium von Grammatik und Rhetorik dahingehend, dass Poetik, Geschichte und Moralphilosophie ausgegliedert und zu eigenständigen Disziplinen wurden. Grammatik und Rhetorik, die im überlieferten System der septemartesliberaleszudenFächerndesTriviumszählten,wur den folglich mit Poetik, Geschichte und Moralphilosophie zu denFächernderstudiahumanitatisgezählt,1dieimZentrumder humanistischenBildungsbewegungstanden. DieseNeuerung,diemandurchausalsBildungsreformbe zeichnenkann,vollzogsichalsodurchausimRahmenderartes liberalesundistalsErweiterungundAufwertungdesTriviums zusehen.InAnlehnungandiearteswurdendiestudiahumani tatisauchalsbonaeartesoderbonaelitteraebezeichnet. 1 InDeutschlandsprachPeterLuder,UniversitätslehrerinHeidelbergals Erster1456vonstudiahumanitatis,indemerseineVorlesungals„studia humanitatis, id est poetarum, oratorum ac historiagraphorum libros publicelegi,“ankündigte.Zit.nach:Haar,James:Art.Humanismus.In: LudwigFinscher(Hg.):MGG2.SachteilBd.4.Kassel1996,Sp.441.vgl. auchKap.1.1. 10 1.1 DashumanistischeBildungsideal–Diestudia humanitatis Der Begriff der studia humanitatis geht zurück auf Cicero, der humanitas in der Bedeutung von „vollendeterGesittung“ zum Bildungsziel erklärte, die dahin führenden Studien nannte er studia humanitatis.2Dieses Ziel, den Menschen zu einer sittli chenPersönlichkeit zu erziehen,behielt imRenaissance–Hu manismusseineGültigkeit. Der erste der, sowohl historisch gesehen, als auch inden Augen seiner Zeitgenossen3, die im Mittelalter erloschenen studiahumanitatiswiederhergestellthatte,warFrancescoPetrar ca(1304–1374).PetrarcabetontedenpädagogischenAspektdes StudiumsderAntike,indemerdasErreichenderHumanitasals Ergebnis eines Lernprozesses sah. Das Studium der antiken AutorenzeigedenMenschendenWegzumrechtenLeben.4 Der Glaube an die menschenformende Kraft der antiken Lebensweisheitführtedazu,dieantikenSchriftstelleralsErzie hungsliteratur zu nutzen. Bücher dienten als Lehrmeister, die Begegnungmit dem antikenDichterwurde als Zwiegespräch aufgefasst.PetrarcaverfasstefiktiveBriefeanCicerooderSene ca.5 Der Dialog zwischen Autor und Leser ist formbildendes MerkmalvielerSchultraktatedieserZeit. Der...

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