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Mysterium Venedig

Die Markusrepublik als politisches Argument in der Neuzeit

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Martin Fröhlich

Unübertroffen war die Markusrepublik darin, sich selbst in Wort und Bild immer wieder neu in aller Pracht und Herrlichkeit zu erschaffen. Der entstandene Mythos zeigte Wirkung – im positiven wie im negativen Sinne. Wer im 16. und 17. Jh. in der Kontroverse um die beste Staatsform über Republiken schrieb, meinte Venedig. Wie kein anderer Staat vermochte die Markusrepublik Bewunderung, Neid, ja Abscheu hervorzurufen. Gleich der klassischen Trias von Entstehung, Aufstieg und Fall verlief auch Venedigs «Karriere» in der politischen Literatur. Anknüpfend an grosse Namen wie Gasparo Contarini, Niccolo Machiavelli, James Harrington und Montesquieu beschreibt die Forschung Aufstieg und Höhepunkt im 16. sowie den Fall im 18. Jahrhundert.
Die vorliegende Studie eröffnet mit bislang nicht gestellten Fragen eine neue Sichtweise auf den Mythos Venedig: Anstatt wie bisher die Venedig-Bilder der einzelnen Staatsdenker zu vergleichen, rücken nun die Argumentationsketten der besagten Autoren ins Zentrum der Analyse. Die akribisch herausgearbeiteten Widersprüche und Paradoxien innerhalb der jeweiligen Staatstheorien lassen die Rolle Venedigs als Argumentationsstütze in neuem Lichte erscheinen.

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A. Einleitung 15

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15 A. Einleitung 1. Eine Stadt und zahlreiche Mythen Das Interesse an Venedig scheint ungebrochen. In der Reihe GEO EPOCHE ist im Jahre 2007 ein eigenes Heft über die Markusrepublik mit dem be- zeichnenden Titel „Venedig 810–1900: Macht und Mythos der Serenis- sima“ erschienen. Der Chefredaktor Michael Schaper beschreibt dieses Interesse folgendermassen: Vom Aufstieg dieser einzigartigen Stadt erzählt das vorliegende Heft. Und auch von ihrem Niedergang: dem Abstieg von der Grossmacht zum Freilichtmuseum. Zu einer Kulisse einstiger Grösse – die einen aber bis heute staunen macht.1 Das Heft lässt weder politische, militärische und ökonomische Besonder- heiten aus, noch gehen die amourösen Abenteuer des Giacomo Casanova vergessen, wobei leider des Venezianers literarische Leistungen neben seinen erotischen in den Hintergrund geraten. Die Markusrepublik hat schon in früheren Zeiten die Menschen in ihren Bann gezogen. Eine Stadt auf dem Wasser ohne Stadtmauern zur Verteidigung, aber durch die Lagunen optimal geschützt ist eine ungeheu- erliche Sache.2 Nicht geheuer ist den Zeitgenossen auch ihr Aufstieg zur gefürchteten Grossmacht. Die Verbindung von Furcht und Bewunderung findet ihren Höhepunkt anfangs des 16. Jahrhunderts im militärischen und politischen Überleben der Stadt im Kampf gegen eine übermächtige eu- ropäische Koalition – die Liga von Cambrai. Der Bewunderung wird in Wort und Bild tüchtig nachgeholfen. Dem Besucher des Dogenpalastes eröffnet sich an den Wänden und Decken ein wahres Feuerwerk an Selbst- verherrlichung und Propaganda. Auch der Literatur bedient sich die Sere- nissima meisterhaft. Die wohl am...

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