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Mysterium Venedig

Die Markusrepublik als politisches Argument in der Neuzeit

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Martin Fröhlich

Unübertroffen war die Markusrepublik darin, sich selbst in Wort und Bild immer wieder neu in aller Pracht und Herrlichkeit zu erschaffen. Der entstandene Mythos zeigte Wirkung – im positiven wie im negativen Sinne. Wer im 16. und 17. Jh. in der Kontroverse um die beste Staatsform über Republiken schrieb, meinte Venedig. Wie kein anderer Staat vermochte die Markusrepublik Bewunderung, Neid, ja Abscheu hervorzurufen. Gleich der klassischen Trias von Entstehung, Aufstieg und Fall verlief auch Venedigs «Karriere» in der politischen Literatur. Anknüpfend an grosse Namen wie Gasparo Contarini, Niccolo Machiavelli, James Harrington und Montesquieu beschreibt die Forschung Aufstieg und Höhepunkt im 16. sowie den Fall im 18. Jahrhundert.
Die vorliegende Studie eröffnet mit bislang nicht gestellten Fragen eine neue Sichtweise auf den Mythos Venedig: Anstatt wie bisher die Venedig-Bilder der einzelnen Staatsdenker zu vergleichen, rücken nun die Argumentationsketten der besagten Autoren ins Zentrum der Analyse. Die akribisch herausgearbeiteten Widersprüche und Paradoxien innerhalb der jeweiligen Staatstheorien lassen die Rolle Venedigs als Argumentationsstütze in neuem Lichte erscheinen.

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B. Schein und Sein der Markusrepublik – Ein Blick in das „Getriebe“ eines erfolgreichen Mythos 23

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23 B. Schein und Sein der Markusrepublik – Ein Blick in das „Getriebe“ eines erfolgreichen Mythos 1. Venedig als Mythos Als Jo Siffert vor mehr als dreissig Jahren in Brands Hatch ums Leben kam, starb ein Rennfahrer, zugleich wurde ein Mythos geboren.1 Diese Zeile stand in der Zeitung „Der Bund“ vom 22. Dezember 2005. Tod und Untergang scheinen Autoren jeglicher Medien zur Mythisierung zu beflügeln. Der sang- und klanglose Untergang des britischen Luxus- dampfers „Titanic“ im kalten Nordatlantik liefert den Beleg, wenn Guido Knopp schreibt: „Die ‚Titanic‘ sank, der Mythos überlebte: Es war ihr unglaublicher Luxus, der sie von allen anderen Schiffen unterschied.“2 Sogar die Bundesstadt Bern vermag ein wenig im Abglanze eines My- thos’ zu erstrahlen, wenn die Tageszeitung „Der Bund“ gross titelt: „Bern und der Mythos Napoleon“3. Noch ganz andere „Mythen“ geistern in der Medienlandschaft herum. Seit dem Tunnelunfall in Paris haben die Roy- als einen neuen Mythos namens „Lady Di“. Warum soll ein Passagier- dampfer, der – wie 1000 andere Schiffe auch – ganz unspektakulär den Meeresboden mit seiner Anwesenheit beehrt, zu einem Mythos werden? Gleiches lässt sich bei Jo Siffert und Diana fragen. Schliesslich starben beide bei einem wenn auch dramatischen Autounfall. Es sind die vielen kleinen gefühlsbetonten, unheimlichen oder anstössig-erotischen, vielfach aber auch unbewiesenen Geschichten, die Persönlichkeiten und Begeben- heiten umrankend, diese zu Vorbildern und gar zu „epochenprägenden“ Ereignissen überhöhen.4 Solche Erzählungen sind nicht dazu angetan, den rationalen Teil des Menschen anzusprechen, sondern wirken auf dessen irrationale...

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