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Mysterium Venedig

Die Markusrepublik als politisches Argument in der Neuzeit

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Martin Fröhlich

Unübertroffen war die Markusrepublik darin, sich selbst in Wort und Bild immer wieder neu in aller Pracht und Herrlichkeit zu erschaffen. Der entstandene Mythos zeigte Wirkung – im positiven wie im negativen Sinne. Wer im 16. und 17. Jh. in der Kontroverse um die beste Staatsform über Republiken schrieb, meinte Venedig. Wie kein anderer Staat vermochte die Markusrepublik Bewunderung, Neid, ja Abscheu hervorzurufen. Gleich der klassischen Trias von Entstehung, Aufstieg und Fall verlief auch Venedigs «Karriere» in der politischen Literatur. Anknüpfend an grosse Namen wie Gasparo Contarini, Niccolo Machiavelli, James Harrington und Montesquieu beschreibt die Forschung Aufstieg und Höhepunkt im 16. sowie den Fall im 18. Jahrhundert.
Die vorliegende Studie eröffnet mit bislang nicht gestellten Fragen eine neue Sichtweise auf den Mythos Venedig: Anstatt wie bisher die Venedig-Bilder der einzelnen Staatsdenker zu vergleichen, rücken nun die Argumentationsketten der besagten Autoren ins Zentrum der Analyse. Die akribisch herausgearbeiteten Widersprüche und Paradoxien innerhalb der jeweiligen Staatstheorien lassen die Rolle Venedigs als Argumentationsstütze in neuem Lichte erscheinen.

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C. James Harrington und sein Bild Venedigs 93

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93 C. James Harrington und sein Bild Venedigs 1. Das England Harringtons Wir schreiben das Jahr 1649. König Karl I. aus dem Hause Stuart, Kö- nig von Gottes Gnaden, ist auf dem Weg zum Schafott. Nun ist es nicht neu, dass englische Könige eines unnatürlichen Todes sterben. Der Hi- storiker John Morill zieht Bilanz über die Jahrhunderte zwischen der Er- oberung Englands durch die Normannen im Jahre 1066 bis hin zum 30. Januar 1649. Von den insgesamt 25 Monarchen sind laut ihm vier abge- setzt und ermordet worden, zwei weitere sind auf gewaltsame Weise zu Tode gekommen. Doch Karl I. ist der erste König, dem ein Prozess we- gen Verrats an seinen Untertanen gemacht und der dafür zum Tode verur- teilt worden ist.1 Dieses epochale Ereignis wurzelt in einer Krise religiöser und verfassungspolitischer Art.2 Seit Heinrich VIII. ist der englische Monarch alleiniges Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Diese Staats- kirche hat bezüglich Kultus und Ordnung die bischöfliche Hierarchie und grundlegende katholische Züge beibehalten. Für gewisse Kreise insbe- sondere für die Puritaner ist diese Neuordnung nicht weit genug gegan- gen. Die schottische Presbyterialkirche, die nicht so hierarchisch geord- net ist, geniesst die Sympathie dieser Gegenbewegung.3 James I. aus dem Hause Stuart sucht zunächst in Schottland und dann als Nachfolger Eli- sabeths seine Herrschaft in England zu sichern. Dabei kommt ihm die Doktrin des „Divine Right of Kings“ von Robert Filmer gelegen. Diese Doktrin dient ursprünglich zur Rechtfertigung des...

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