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Mysterium Venedig

Die Markusrepublik als politisches Argument in der Neuzeit

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Martin Fröhlich

Unübertroffen war die Markusrepublik darin, sich selbst in Wort und Bild immer wieder neu in aller Pracht und Herrlichkeit zu erschaffen. Der entstandene Mythos zeigte Wirkung – im positiven wie im negativen Sinne. Wer im 16. und 17. Jh. in der Kontroverse um die beste Staatsform über Republiken schrieb, meinte Venedig. Wie kein anderer Staat vermochte die Markusrepublik Bewunderung, Neid, ja Abscheu hervorzurufen. Gleich der klassischen Trias von Entstehung, Aufstieg und Fall verlief auch Venedigs «Karriere» in der politischen Literatur. Anknüpfend an grosse Namen wie Gasparo Contarini, Niccolo Machiavelli, James Harrington und Montesquieu beschreibt die Forschung Aufstieg und Höhepunkt im 16. sowie den Fall im 18. Jahrhundert.
Die vorliegende Studie eröffnet mit bislang nicht gestellten Fragen eine neue Sichtweise auf den Mythos Venedig: Anstatt wie bisher die Venedig-Bilder der einzelnen Staatsdenker zu vergleichen, rücken nun die Argumentationsketten der besagten Autoren ins Zentrum der Analyse. Die akribisch herausgearbeiteten Widersprüche und Paradoxien innerhalb der jeweiligen Staatstheorien lassen die Rolle Venedigs als Argumentationsstütze in neuem Lichte erscheinen.

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E. Venedig als Argument in der politischen Theorie der Neuzeit 301

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301 E. Venedig als Argument in der politischen Theorie der Neuzeit Mit dem sich verändernden Menschenbild geht eine negative Entwick- lung in der Haltung zu Venedig einher. Solange des Menschen Egoismus zu Gunsten des Allgemeinwohls unterdrückt werden muss, wird staatli- cher Zwang und staatliche Kontrolle im positiven Lichte gesehen. So hat für Machiavelli die Lagunenstadt durchaus auch positive Charakterzüge. James Harrington erblickt gerade in den Kontrollinstanzen der Markusre- publik ebenfalls nachahmungswürdige Institutionen. Für beide Autoren stehen die Freiheit und Unabhängigkeit des Staates im Vordergrund. Amelot de la Houssaye weist indes daraufhin, dass selbst die besten Kontrollin- stanzen die individuellen Interessen der Führungsschicht nicht zu unter- drücken vermögen. Montesquieu schliesslich erblickt in der individuel- len Freiheit das eigentliche Gut, das es zu schützen gilt. Damit sinkt der Stern des virtuellen Venedigs und verwandelt sich von einem Modell in eine Abschreckung. Dies ist eine altbekannte Erkenntnis. Wie nun in dieser Dissertation gezeigt werden konnte, weist das virtuelle Bild Venedigs innerhalb der politischen Theorien Brüche auf. Die Analyse hat aufgezeigt, dass die Markusrepublik als flexibles Argument dient, also in den Argumentati- onsketten in verschiedene Rollen schlüpft. Bereits Machiavelli zieht di- daktischen Nutzen aus der Markusrepublik, in dem er sie unter anderem vom hohen Siegerpodest als erfolgreiche Seemacht auf das Verlierertrepp- chen als Unterlegene der Schlacht bei Agnadello fallen lässt und damit wirkungsvoll seine These belegen kann: „Hände weg von Söldnerhee- ren“. James Harringtons „Commonwealth of Oceana“ weist...

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