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Frühneuzeitliche Stereotype. Zur Produktivität und Restriktivität sozialer Vorstellungsmuster

V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft Wrocław 8. bis 11. Oktober 2008

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Miroslawa Czarnecka, Thomas Borgstedt and Thomasz Jablecki

Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Stereotype vereinfachte, schablonenhafte Vorstellungen von Menschen, die weniger auf der eigenen Erfahrung gründen. Sie transportieren eher ein mit Wertungen durchsetztes, geronnenes Erfahrungswissen innerhalb der Kulturen. Im Sinne der historischen Semantik und Stereotypenforschung sind sie nicht ausschliesslich als Vorurteile zu verstehen, sondern mehrwertig zu bestimmen. Dieser Band vereinigt Beiträge zur V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft, die vom 8. bis 11. Oktober 2008 in Wrocław stattfand. Er befasst sich mit Formen und Funktionen von nationalen, sozialen, anthropologischen, konfessionellen und Gender-Stereotypen sowie von begrifflichen und metaphorischen Stereotypen. Es gilt zu zeigen, wie sie in den Medien der Frühen Neuzeit vermittelt wurden – sei es in künstlerischen Ausdrucksformen wie Grafik, Malerei und Skulpturenkunst, sei es in der Gebrauchsliteratur, in medialen Mischformen des Flugblatts und der Emblematik. Die interdisziplinäre und internationale Ausrichtung dieses Themas erscheint gerade heute – in einem nach der EU-Erweiterung erneut veränderten Europa – als besonders aktuell und wichtig.

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„Wiedererkennen von Bekanntem“. Literarische und soziale Stereotype in der frühneuzeitlichen Komödie Daniel Fulda 169

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„Wiedererkennen von Bekanntem“. Literarische und soziale Stereotype in der frühneuzeitlichen Komödie Daniel Fulda I. Das ‚Stereotyp‘ zählt nicht zu den Kernbegriffen der Literaturwissenschaft. Herrühren mag dies zunächst von der Herkunft des Begriffs aus der Kom- munikationswissenschaft – geprägt wurde er in Walter Lippmanns Buch über die journalistische Verfertigung der Public Opinion von 1922 – sowie von seiner Prägung vor allem durch die Sozialpsychologie.1 Das dort domi- nierende Interesse an den diskursiven bzw. psycho-sozialen Prozessen, in denen sich Stereotype ausbilden und durchsetzen, ist durch die Analyse (einzelner) literarischer Texte nur eingeschränkt zu befriedigen, denn die Merkmale des hartnäckigen Wiederkehrens und der weitgehenden Unverän- derlichkeit erfordern, um nachgewiesen zu werden, ein ausgedehntes Text- korpus.2 Noch problematischer ist der Schluss von literarischen Texten auf semantisch entsprechende Einstellungen ihrer Produzenten und Rezipienten: Welche Stereotype ein Text aufruft, hängt wesentlich von den mental ge- speicherten Stereotypen der Rezipienten ab.3 Probleme für die Analyse wirft 1 Als einführende Überblicke vgl. Martin Reisigl: Art. „Stereotyp“. In: Histori- sches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 8. Hrsg. von Gerd Ueding. Darmstadt 2007, Sp. 1368–89; Iris Six-Materna und Bernd Six: Art. „Stereotype“. In: Lexikon der Psychologie in fünf Bänden. Red.: Gerd Wenninger. Bd. 4. Heidelberg und Ber- lin 2001, S. 246–248; Mahzarin R. Banaji: Stereotypes, Social Psychology of. In: International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences. Bd. 22. Hrsg. von Neil J. Smelser und Paul B. Baltes. Amsterdam [u. a.] 2001, S. 15100– 15104. F...

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